Leben,Maria und morgen...
- Minderwertigkeit
- Wenn es Maria gut geht, ist sie voller Tatendrang. Sie lädt sich gerne Freunde ein und kocht für sie, sie geht aus, kümmert sich um ihren kleinen Haushalt, liebt ihren Beruf und ist eine begeisterte Sportlerin. Sie habe „normalerweise“ viel Freude in sich, Spaß am Leben und Lust, etwas zu tun. Sie fühle dann auch Selbstvertrauen, ein Gefühl, das sie trägt, weil sie spürt, dass sie „genauso wertvoll ist wie jeder andere auch“. In den Zeiten der Krankheit bricht dieses Lebensgerüst wie ein Kartenhaus beim kleinsten Windstoß zusammen, und sie versinkt in tiefe Seelenfinsternis:
- „Wenn ich dazu in der Lage wäre, würde ich alles tun, um dem zu entkommen. Keiner bleibt freiwillig in dieser Hölle.“
- Sie hat in den vergangenen zehn Jahren alles probiert, was die Medizin zu bieten hat. Sie kennt die meisten Medikamente und war bei Psycho- und Verhaltenstherapeuten. Manchmal, sagt sie, helfe ein Schlafentzug. Maria hält sich dann eine ganze Nacht wach. Am Morgen danach fühle sie sich tatsächlich „aufgeweckt“, manchmal erlebe sie einen geradezu „euphorischen Lebenstrieb“. Sie schaltet dann frühmorgens schon gutgelaunt das Radio an, singt und tanzt und würde am liebsten die ganze Welt anrufen, um zu sagen, dass es ihr jetzt gut geht und dass alle Freunde vorbeikommen sollen. Alles sei „irgendwie enthemmt“. Sie wisse schon, dass sie dann „etwas aus der Spur laufe“, aber es sei ein schönes Gefühl- von nur kurzer Dauer. Maria hat sehr viel gekämpft und jetzt erstmals eine Zeit erlebt, in der sie das Gefühl hatte, es gehe ihr „nicht richtig gut, aber auch nicht richtig schlecht“. Es sei so eine Art Zwischenstadium, von dem sie hofft, dass es dauerhaft anhält. Jede Behandlungsart, betont sie, die ihr das ermögliche, sei ihr recht: „Damit ich mein Leben leben kann - so, wie andere auch.“
Ein Tag im Leben der Maria B.
- Ich wache in der Früh’ auf und weiß, es ist so weit. Man kann es nicht beschreiben. Aber man weiß, es ist jetzt da. Schlagartig. Am Abend zuvor war man noch guter Dinge, und am nächsten Morgen ist alles anders. Es ist so massiv, dass man nichts dagegen tun kann. Ich kann mich nicht mehr freuen es gibt nur schlechte Gefühle: alles ist trostlos, ausweglos, man resigniert, es gibt nichts Schönes mehr im Leben, es gibt einfach nichts Positives mehr. Man lebt trotzdem weiter, irgendwie. Ich bleibe sehr lange im Bett liegen.