- Stimmungen
- Es ist wie ein Loch, das sich auftut, und aus dem man - je nachdem, wie tief man fällt - lange Zeit nicht mehr herauskommt.
- Es ist wirklich schwer, es zu beschreiben. Wenn es mir gut geht, ist alles weg. Sobald ich „Es“ nicht habe, kann ich mir selber kaum vorstellen, wie es ist - obwohl ich doch so viel Zeit meines Lebens damit verbringe.
- Der Satz „ich bin so depressiv“ ist zu einem gängigen Bestandteil der Umgangssprache geworden. Die wenigsten, die ihn benutzen, sind depressiv. Sie sind lediglich schlecht gelaunt, niedergeschlagen, enttäuscht, zornig, abgespannt oder unsicher- sie sind missgestimmt. Solche Verstimmungszustände sind keine Krankheiten, die einer Behandlung bedürfen. Es handelt sich um normale und notwendige Schwankungen menschlichen Befindens.
- Fachleute sprechen auch von „Schwingungsfähigkeit“ und meinen damit die Möglichkeit, zwischen positiven und negativen Gefühlen hin und her zu pendeln. Diese Fähigkeit ist wesentlich für die emotionale Gesundheit der Menschen. Stimmungen sind von äußeren Einflüssen abhängig, beispielsweise von zwischenmenschlichen Erfahrungen, etwa mit dem Partner, mit den Kindern, Arbeitskollegen, Nachbarn oder Freunden.
- Auch das Wetter oder die Jahreszeit können die Stimmung beeinflussen. Schließlich hängt die Stimmung auch davon ab, in welchem körperlichen Zustand man sich befindet: ist man hungrig oder satt, ausgeschlafen oder übermüdet, fühlt man sich wohl oder unwohl. Was auch immer eine Verstimmung ausgelöst haben mag, sicher ist, dass es sich um eine Beeinträchtigung der Gemütslage handelt, die zumeist nach kurzer Zeit vorübergeht. Außerdem kann man lernen, Verstimmungen zu überwinden.
- Eine weitere häufige Beeinträchtigung der Gemütslage ist die Trauer. Wer trauert, ist bedrückt, niedergeschlagen, bisweilen hoffnungslos und verzweifelt. Trauernde zeigen wenig Interesse an ihrer Umwelt, sind leicht zu verletzen und haben kaum Kraft und Energie. Die Trauer kann einer Depressionen sehr ähnlich sehen. Dennoch ist die Trauer keine Krankheit, sondern eine natürliche Reaktion auf ein belastendes Ereignis. Der „Trauerprozess“ hat einen universell gültigen, typischen zeitlichen Verlauf; die „Trauerarbeit“ kann lang und schmerzhaft sein, ist aber unverzichtbar, um sich von Vergangenem zu lösen und Neuem zuzuwenden.
- Auch die Trauer geht irgendwann vorüber:
- Die Alltagsweisheit „die Zeit heilt alle Wunden“ hat hier durchaus ihre Berechtigung.
- Im Unterschied zu diesen normalen Beeinträchtigungen der Gemütslage ist die Depression eine Krankheit des Gemütes, welche die Stimmung, das Denken, das Verhalten und die Körperfunktionen der Betroffenen tiefgreifend und langfristig verändert und einer speziellen fachärztlichen Behandlung bedarf.