Depressionen. Sie und Beschwerden, Leben. Die Erkrankung, Angst und Gefühl.
- Vorurteile
- Zunächst wird Sie Ihr Hausarzt untersuchen, und sollte sich eine organische Ursache finden, diese natürlich behandeln. Sie sind aber kein Simulant, wenn trotz eingehender Abklärung kein organischer Befund festgestellt werden kann, und Sie dennoch unter den angegebenen Beschwerden leiden.
- Ich weiß aus vielen Gesprächen mit meinen Patienten, dass es ihnen häufig schwer fällt, hinter all diesen körperlichen Beschwerden eine Depression zu akzeptieren, und zu glauben, dass bei erfolgreicher Therapie der Depression diese körperlichen Beschwerden wieder verschwinden sollen. Entscheidend für den Erfolg ist also, dass Sie akzeptieren, dass dahinter eine Depression stecken kann.
- Neben diesen körperlichen Beschwerden entwickeln sich im Laufe der Erkrankung auch seelische Symptome. Der Patient wird in zunehmendem Maße freudloser, es entwickelt sich ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit, die Angst nimmt zu, nie wieder gesund zu werden. Man kann sich über nichts mehr freuen, und bisweilen haben manche Patienten auch das Gefühl, innerlich tot oder wie abgestorben zu sein.
- Eine meiner Patientinnen berichtete:
„Herr Doktor, verurteilen Sie mich bitte nicht, aber ich bin innerlich so leer, selbst wenn mein Lieblingsenkel plötzlich bei einem Verkehrsunfall ums Leben käme, ich könnte nicht einmal mehr darüber weinen, ich habe keine Gefühle mehr, ich bin innerlich abgestorben und erkaltet.”
- Gerade der Verlust an Freude, Interesse an den Hobbys, die Unfähigkeit, die tägliche Arbeit zu schaffen und zugleich darunter zu leiden, dass man es nicht mehr schafft, machen sicherlich verständlich, wie schwer es diesen erkrankten Menschen fällt, ihre gewohnte Rolle im Alltag einzunehmen. Sie schämen sich, weil sie nicht mehr in gewohnter Weise ihr Leben gestalten können.
- Die Angst, an einer schweren, ja vielleicht unheilbaren Erkrankung zu leiden, führt zur Verzweiflung, manche Patienten wirken deshalb innerlich unruhig, getrieben, versuchen hektisch - oft unter Aufbringung ihrer letzten Willenskraft - die an sie gestellten Forderungen zu erfüllen, andere wiederum sitzen apathisch mit starrem Gesichtsausdruck im Raum, ziehen sich zurück und sind froh, wenn sie nicht angesprochen werden.
