Depression, Depressionen: Antidepressiva und Behandlung.
- Vorurteile
- Vielleicht ist es auch Ihnen schon mal passiert, dass Sie im Sprechzimmer das Wichtigste vor lauter Aufregung vergessen haben. Ich halte meine Patienten deshalb immer wieder dazu an, sich zu Hause einen kleinen Zettel zu nehmen und die wichtigsten Beschwerden aufzuschreiben, ebenso auch die wichtigsten Fragen, damit dann beim nächsten Arztbesuch alles besprochen werden kann.
- Grundsätzlich sollten Sie über Antidepressiva wissen, dass sie in ihrer stimmungsaufhellenden Wirkung vergleichbar sind. Von entscheidender Bedeutung ist, dass die Antidepressiva im Durchschnitt etwa zwei bis drei Wochen benötigen, bis ihre Wirkung einsetzt.
- Es ist für den Patienten oft schwer verständlich, dass er tagelang ein Medikament einnimmt, ohne eine Besserung zu spüren. Werden Sie nicht ungeduldig, und setzen Sie Ihr verordnetes Medikament keinesfalls vorzeitig und eigenmächtig ab. Ich erlebe immer wieder Patienten, die mit unzähligen verschiedenen Antidepressiva zu mir kommen, und bei genauem Befragen stellt sich heraus, dass sie das jeweilige Medikament viel zu kurz eingenommen und deshalb den Behandlungserfolg aufs Spiel gesetzt haben.
- Sie sollten wissen, dass Antidepressiva nicht süchtig machen. Gleichwohl gibt es eine Reihe von Medikamenten, die bei abruptem Absetzen sogenannte Absetzphänomene (innere Unruhe, Übelkeit, Schweißneigung, Kopfschmerzen) verursachen. Deshalb müssen Antidepressiva immer ausschleichend (allmähliche Dosisreduktion über Wochen) abgesetzt werden.
- Die Dosis, die zu einer Rückbildung der Beschwerden geführt hat, sollte allerdings für mindestens weitere 6 Monate fortgeführt werden, bevor mit einer Dosisreduktion begonnen werden darf. Viele Patienten sind nämlich der Meinung, häufig unterstützt durch Freunde oder Angehörige, alle Medikamente sofort wieder abzusetzen zu können, sobald eine Besserung eingetreten ist.
- Dies führt dann leider häufig zu erneuten Rückfällen, mit der Folge einer weiteren Verlängerung der Leidenszeit. Natürlich haben auch die Antidepressiva Nebenwirkungen.
- Bedauerlicherweise treten diese meist zu Beginn der Behandlung ein und fördern bisweilen deshalb nicht gerade die Bereitschaft, das Medikament weiter zu nehmen.
- Die sogenannten klassischen bzw. im Fachjargon als trizyklisch bezeichneten Antidepressiva führen häufig im Verlauf der Behandlung zu einer Gewichtszunahme, zu einer lästigen aber harmlosen Mundtrockenheit, haben darüber hinaus auch häufig einen müde machenden Effekt, weshalb die Einnahme bevorzugt am Abend erfolgen sollte.
- Eine erst in den letzten Jahren entwickelte Gruppe von Antidepressiva, die sogenannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), machen nicht müde, weshalb sie besonders für Patienten geeignet sind, die auf die Benutzung eines PKW’s angewiesen sind oder die im Berufsleben stehen, an Maschinen oder Computern arbeiten müssen.
- Typische Nebenwirkungen sind hier eine zu Beginn der Behandlung einsetzende morgendliche Übelkeit, eine vorübergehende innere Unruhe und sehr selten das Auftreten vom Kopfschmerzen. Gleichwohl führen diese neueren Antidepressiva zu keiner Gewichtszunahme und werden in aller Regel von den Patienten auch sehr gut vertragen.