Depressiven - Erkrankte Leiden. Nähe, oder Distanz?
- Vorurteile
- Und das über Monate der Erkrankung.
- Meine Reaktionen waren dann schließlich ganz unterschiedlich. Von mitfühlend bis beleidigt, von liebevoll bis aggressiv. Ich war irgendwann der Meinung, daß ich mehr leide als die depressiv Erkrankte.
- Vielleicht wird es Ihnen auch so gehen. Das ist ganz natürlich.
- Der richtige Umgang mit depressiv Erkrankten.
- Sie wissen nun, was in einem depressiv Erkrankten vor sich geht. Sie können sich vorstellen, wie groß sein Leiden sein muß, wie massiv die Krankheit in das ganze Leben eingegriffen hat. jetzt geht es darum, dem Depressiven Ihre Hilfe zu geben, wann immer es Ihnen möglich ist.
- Nehmen Sie sich Zeit!.
- Hören Sie dem Depressiven zu, wann immer er Ihnen etwas mitteilen möchte. Sie wissen, wie schwer es ihm fällt, aus seiner Zurückgezogenheit heraus zu kommen und zu sprechen.
- Nutzen Sie die wenigen Gelegenheiten, ihm zuhören zu können und mehr über seine Gefühlswelt zu erfahren.
- Lassen Sie dem Depressiven Zeit.
- Jede Erkrankung braucht ihre Zeit. Die Depression kann Wochen, wenn nicht Monate dauern. Das ist abhängig vorn Schweregrad und dem Zeitpunkt der Erstbehandlung.
- Es ist nicht nur sinnlos, sondern auch wenig förderlich, den depressiv Erkrankten zu drängen oder Unverständnis für die lange Dauer der Krankheit zu zeigen.
- Machen Sie sich immer wieder klar: Der Depressive kann nichts für seine Erkrankung, er wünscht sich nichts sehnlicher, als daß die Schattenseite seines Lebens, die Depression, endlich vorüber ist.
- Seien Sie einfühlsam und verständnisvoll.
- Der Depressive hat genügend Selbstzweifel. ]edes Verständnis von außen, jedes einfühlsame Wort wird dankbar aufgenommen. Auch, wenn er die Dankbarkeit nicht direkt zeigen kann.
- Stellen Sie Nähe her - aber sorgen Sie dabei für ausreichende Distanz.
- So paradox es klingen mag: das richtige Maß an Nähe zu einem depressiv Erkrankten ist verbunden mit einer gewissen Distanz. Für den depressiv Erkrankten ist die körperliche Nähe unangenehm. Er will sie nicht, weil er weiß, daß er sie nicht umsetzen kann. Er hat Angst vor dem eigenen Versagen. Und doch braucht er Nähe, um sich nicht immer wieder darin bestätigt zu fühlen, daß er nicht geliebt wird.
- Natürlich ist es schwierig, dem Patienten gegenüber so etwas wie eine "distanzierte Nähe" aufzubauen und aufrechtzuerhalten, besonders, da sich ihre Gefühlswelt ja nicht verändert hat. Aber es ist wichtig, es zu versuchen. Mit Geduld und Sensibilität werden Sie ganz sicher herausfinden, wieviel Nähe oder Distanz ihrem depressiv Erkrankten gut tut.
- Haben Sie Verständnis für den Depressiven.
- Sie müssen wissen:
- alles Verständnis, die ganze Liebe, die Sie in den depressiv Erkrankten investieren, werden Sie während seiner Erkrankung nicht zurückbekommen. Damit sind die Grundregeln des Zusammenlebens erst einmal außer Kraft gesetzt.
- Aber jetzt hat eines äußerste Priorität:
- "Ihr" Kranker braucht Ihre vorbehaltlose und selbstlose Aufmerksamkeit. Er kann keinen zwischenmenschlichen Kontakt aufrechterhalten, noch weniger kann er während seiner Krankheit zurückgeben, was er an Gefühlen bekommt.
- Im Gegenteil: Er muß die positive Erfahrung machen können, mit Gefühlswärme rechnen zu können, auch wenn er keine Gegenleistung, nicht einmal Mindestleistungen, erbringen kann.
- Sie sollten Ihre Gefühle nicht unterdrücken, aber ausleben sollten Sie sie auch nicht. Die Schuldgefühle Ihres depressiven Angehörigen würden sich verstärken. Versuchen Sie, sich abzulenken, sich ein wenig Freizeit zu verschaffen. Sie tanken damit neue Kraft. Kraft, die Sie brauchen, um ihrem Angehörigen helfen zu können.