Depressionen Klinik. Nervenfasern, Gehirn und Störungen.
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- Die Sicht der biologisch-psychiatrischen Forschung.
- Um zu verstehen, weshalb Medikamente nach den Vorstellungen der biologisch-psychiatrischen Forschung bei Depressionen wirken, bedarf es eines kurzen Ausflugs in die Funktionsweise des Gehirns. Unser Gehirn besteht aus Millionen von Nervenzellen, die untereinander durch Nervenfasern miteinander verbunden sind, vergleichbar einem komplizierten Knäuel von Stromkabeln. Die Informationen in den Nervenzellen und Nervenfasern verlaufen als geringe elektrische Impulse. An vielen Stellen treffen nun zwei Nervenfasern aufeinander. Diese Kontaktstelle, ein Spalt, ist in der nachfolgenden Graphik vergrößert dargestellt.
- Abb. 1: Spalt zwischen zwei Nervenfasern mit Überträgerstoffen.
- Während zwei Stromkabel miteinander verbunden werden, indem man sie mechanisch aneinanderdrückt, sind die Verhältnisse bei der Nervenfaser-Kontaktstelle anders: Zwischen den beiden Nervenfasern bleibt ein Spalt, den ein elektrischer Impuls nicht überspringen kann. Im Spalt werden die Informationen deshalb auf chemischem Wege weitergegeben. Dabei gibt eine Nervenfaser einen Überträgerstoff in den Spalt ab. Der Stoff durchwandert den Spalt und wird an der nachgeschalteten Nervenfaser kurzfristig gebunden; anschließend verläuft die Informationsweiterleitung wieder elektrisch, ausgelöst durch den Überträgerstoff.
- Moderne Forschungsansätze.
- Heutzutage hat sich die psychiatrische Forschung zunehmend darauf verständigt, daß alle drei Ansätze wesentliche Beiträge zur Erklärung der Depression bei einem Patienten liefern. Nimmt man die drei Sichtweisen zusammen, stellen sich Entstehung und Verlauf einer Depression etwa so dar:
- Eine erbliche Veranlagung bedingt eine erhöhte Anfälligkeit für Depressionen.
- Verlustereignisse in besonders verletzlichen Phasen der Kindheit bewirken depressive Verhaltensstörungen, aber auch biochemische Veränderungen im Gehirn. Meistens erholen sich die Kinder vollständig. Die Angst vor Verlust bleibt aber im Verborgenen erhalten, ohne daß der Betroffene sich darüber im klaren sein muß. Auch die biochemische Störung kann wie eine alte „Narbe“ erhalten bleiben.
- Im Erwachsenenalter kann die Verlustangst dramatisch wiedererweckt werden, zum Beispiel:
- durch einen wirklichen Verlust (zum Beispiel Trennung oder Tod des Ehepartners);
- durch einen befürchteten Verlust (wenn der Chef mich kritisiert, werde ich seine Zuneigung verlieren);
- durch ein symbolisches Verlustereignis (der Anblick oder das Betreten einer Klinik, vielleicht sogar nur der Geruch einer Klinik, wenn in der Kindheit damit ein Verlustereignis verbunden war).
- Die wieder aktivierte Verlustangst des Erwachsenen geht mit denselben Veränderungen der Nervenüberträgerstoffe einher wie beim Kind. Die medikamentöse Therapie wirkt der biochemischen Störung entgegen und stabilisiert seelische Prozesse. Psychotherapeutische Verfahren stabilisieren ebenfalls seelische Prozesse, was auch di Stoffwechselvorgänge im Gehirn günstig beeinflußt. Damit wird deutlich, daß eine Trennung in seelisch und körperlich bedingte Depressionen nicht aufrechtzuerhalten ist.
- Depression als Begleiterkrankung.
- Die Ursachen der Depression sind also vielschichtig. Körperliche Vorgänge und Erlebnisse greifen ineinander. Bei manchen depressiven Patienten steht ursächlich eine seelische Verletzung im Vordergrund, bei anderen sind es zunächst körperliche Veränderungen, auf die mit einer Depression reagiert wird und die dann eventuell die körperlichen Ursachen verstärkt.