Depressionen und Behandlungen.
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- Depression ist nicht Charaktermangel oder Willensschwäche.
- Äußerungen wie „reiß dich zusammen“ bewirken eher, daß der Patient noch tiefer in die Depression sinkt.
- Wer eine schwere Depression hat, läßt sich nicht davon „ablenken“. Dringend abzuraten ist von größeren Aktivitäten wie zum Beispiel Reisen. Sinnvoll sind, wenn der Antrieb ausreicht, kleinere Unternehmungen wie ein kurzer Spaziergang. Jede auch noch so kleine Maßnahme, die dem Kranken zeigt, daß er noch funktioniert, ist wertvoll. Jede Überforderung wird sein Unfähigkeitsgefühl bestärken.
- Gelegentlich können depressiv Kranke auch reizbar sein. Oder ihr Pessimismus zieht wie in einem Sog die gesamte Familienatmosphäre in die Tiefe. Partner und Familie sind einer extremen Belastung ausgesetzt. Für den Patienten ist dann eine stationäre Behandlung sinnvoll, die auch die Angehörigen entlastet.
- Manchmal erscheint es, als würde die Depression nicht nur den Patienten, sondern auch den Ehepartner oder die Familie in einem Netz gefangenhalten, weil die Angehörigen aus falsch verstandener Scham mit niemandem über die Erkrankung sprechen. Sprechen Sie in solchen Belastungssituationen unbedingt mit Menschen Ihres Vertrauens oder Ihrem Arzt. Lassen Sie sich nicht mit hinunterziehen.
- Sorgen Sie erforderlichenfalls für eine Vertretung zu Hause und gönnen Sie sich einen freien Abend. Grenzen Sie sich auf eine gesunde Weise ab, denn niemandem ist geholfen, wenn auch Sie krank werden. Selbsttötungsgedanken des depressiven Patienten sind ein besonders wichtiger Gesichtspunkt für die Angehörigen. Sind diese Gedanken von den Patienten einmal ausgesprochen, so haben sie schon einen Teil ihrer Bedrohlichkeit für den Kranken verloren. Für die Angehörigen ergibt sich dann aber die Frage, wie sie damit umgehen sollen. Man kann hier keine Rezepte geben.
- Es wäre falsch, die Situation zu dramatisieren und zu denken, der Patient könne sich jeden Augenblick das Leben nehmen. Man sollte vielleicht zunächst aus dieser Mitteilung auch die Botschaft entnehmen: Schau, so schlecht sieht es aus mit mir.
- Zeigen Sie ruhig Ihre Betroffenheit, schildern Sie den Verlust, den der Tod des Patienten für Sie bedeuten würde. Betonen Sie, daß Sie wissen, daß Ihr Partner wieder gesund wird. Selbstverständlich sollte der behandelnde Arzt oder Psychotherapeut über Selbsttötungsgedanken informiert sein ‐ am besten vom Patienten selbst. Man kann als Angehöriger dieses Thema auch selbst ansprechen, wenn der Kranke nicht von sich aus darüber spricht. Man muß nur den Einstieg finden, etwa so:
- Ich habe den Eindruck, daß dir in letzter Zeit alles egal ist und sinnlos vorkommt. Denkst du manchmal auch daran, daß du nicht mehr leben willst?
- Wird die Frage bejaht, könnte man fragen: Hast du dich noch soweit im Griff, daß ich mich darauf verlassen kann, auch noch morgen mit dir reden zu können?
- In einer solchen Situation ist es wertvoll, wenn der Angehörige und der behandelnde Arzt sich von den Vorgesprächen her kennen und das weitere Vorgehen zusammen mit dem Patienten besprechen können. In manchen Fällen wird der Arzt eine stationäre Behandlung befürworten, in anderen Fällen kann er aus seiner Erfahrung eine weitere ambulante Behandlung rechtfertigen.
- Bejaht der Patient im Gespräch Selbsttötungsgedanken, sollten sich diese Fragen anschließen: Hast du dir überlegt, wie du es machen würdest?
- Hast du schon mal Vorbereitungen getroffen?
- Werden diese beiden Fragen bejaht, dann ist das Risiko sehr hoch, daß der Patient sich etwas antut. Dann sollte man etwa sagen: Ich habe den Eindruck, daß du dich kaum mehr gegen die Krankheit wehren kannst. Laß es uns mit deinem Arzt besprechen. Wenn es dann möglicherweise zur Klinikaufnahme kommt, begreifen das viele Patienten und Angehörige als den Gipfel der Katastrophe. Angemessen ist aber die Haltung: Hier ist eine intensive Behandlung möglich, die am bulant nicht zu verwirklichen war.
- Für eine erfolgreiche Behandlung ist es notwendig, daß Patient und Arzt zu einer gemeinsamen Sprache finden, um sich über Nutzen und Risiken der geplanten Therapie verständigen zu können. Damit der Patient in die Lage versetzt wird, seinem Arzt die für ihn wichtigen Fragen zu stellen, benötigt er in der Regel viele Informationen über seine Erkrankung und die Behandlungsmöglichkeiten.