Maria und Leben: Behandlung, Depressionen, Winter.
- „Wenn der Zeiger erst umgestellt ist, habe ich keine Chance mehr“| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 |
- Als die Depression in Marias Leben trat, war sie 22 Jahre alt. Sie absolvierte damals ein Berufspraktikum in einem Lehrlingswohnheim mit schwer erziehbaren Jungen und fühlte sich überfordert. Aber aufgeben wollte sie nicht. Im Gegenteil: Ich sagte mir: „Du musst da durch, das musst Du schaffen’.“ Und so ging sie jeden Tag zur Arbeit trotz ihrer Ängste, trotz der Befürchtung, den Tag heute nicht zu bestehen.
- Minderwertigkeitsgefühle schlichen sich ein: Alle anderen sind besser als ich, dachte Maria; alle anderen schaffen es nur ich nicht. Aus der Minderwertigkeit erwuchs Verzweiflung. „Irgendwann glaubte ich, das Leben nicht mehr ertragen zu können, weil es nichts Schönes mehr gab, an dem ich mich freuen konnte. Es gab nur noch die Last, diesen Tag leben zu müssen.“Vier Monate lang quälte sie sich, dann im Winter kam der Zusammenbruch: „Einer der Jugendlichen bedrohte mich körperlich, das gab mir den Rest.“
- Sie flüchtete nach Hause zu ihren Eltern, vergrub sich, weinte tagelang, hatte Angst vor allem und jedem, konnte und wollte keinem Menschen entgegentreten,versank in Grübeleien und tiefe Leere, aß und trank nichts mehr. Die Mutter wusste gleich, was mit ihrer Tochter los war, kannte sie doch die Symptome aus eigener, lebenslanger Erfahrung. So kam Maria rasch in ärztliche Behandlung und erhielt Medikamente.
- Im Laufe des Frühjahrs erholte sie sich, und im Sommer ging es ihr wieder richtig gut. Sie bemühte sich um einen neuen Praktikumsplatz, schloss ihre Ausbildung ab und fühlte sich trotz einer kleinen „depressiven Episode“ im Herbst „rundum zufrieden“. Im Jahr darauf trat sie ihre erste Stelle als Erzieherin in einer Wohngruppe mit acht Jugendlichen an. Die Arbeit habe ihr gefallen; sie sei gefordert gewesen, aber sie habe alles gut geschafft.
- Dann kam es zueinem bösen Streit, die Belastungen wuchsen und im Winter erlitt Maria „von einem Tag auf den anderen“ ihren zweiten Zusammenbruch, der schlimmer verlief als der zwei Jahre zuvor. Danach verbrachte sie eine „sehr lange Zeit“ in der psychiatrischen Klinik. Nach ihrer Entlassung zog sie in eine größere Stadt und arbeitete „mit großer Freude“in einem Kindergarten. „Es wurde Herbst“, erinnert sich Maria, „und es ging wieder los ‐ diesmal ohne besonderen Anlass.“Den ganzen Winter verbrachte sie im Krankenstand. Da sich trotz der Behandlung mit verschiedenen Medikamenten diesmal keine Besserung abzeichnete, kam sie im Februar in eine psychiatrische Klinik, wo sie erstmals mit der Elektrokrampftherapie behandelt wurde. Das Ergebnis sei für sie ein Wunder gewesen: „Ich bin aus der Narkose aufgewacht und fühlte mich blendend.“