Depressionen im Alter.
- Depressionen Teil 1 ff., Depressionen im Alter, ff.
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- Wie verläuft eine Altersdepression?
- Nicht selten beginnt das Beschwerdebild mit einer Vorphase, die man früher gerne als "Nervenschwäche" bezeichnete und auch heute erst einmal auf körperliche Ursachen zurückführt. Oft werden nach Ausbruch der Krankheit deshalb verschiedene Ärzte aufgesucht. Viele Patienten lassen sich jedoch nur ungern überzeugen und konsequent behandeln, klammern sich andererseits förmlich an Arzt, Angehörige, Nachbarn und Bekannte an. Einige werden nicht nur depressiv, sondern sogar misstrauisch bis wahnhaft.
- Solche wahnhaften Depressionen kreisen dann gedanklich ständig um Themen wie Leben, Besitz, Zukunftsangst usw. Dazu kommen gelegentlich unbeeinflussbare Versündigungs- und Verarmungsideen, von den hypochondrischen Befürchtungen um Leib und Seele ganz zu schweigen. Manche quälen sich mit Gewissensbissen aufgrund längst vergangener Versäumnisse und Unterlassungen herum.
- Auf jeden Fall ist dieses vielschichtige Leidensbild vor allem von körperlichen Störungen beherrscht. Diese können so im Vordergrund stehen, dass man erst einmal lange an eine rein organische Ursache denkt. Das betrifft vor allem hartnäckige Schlaflosigkeit, sonderbare Missempfindungen und Schmerzen, ausgeprägte Appetitlosigkeit mit starkem Gewichtsverlust, Energielosigkeit und rasche Erschöpfung.
- Wenn die Depression chronisch zu werden droht, dann sind die Patienten oft missmutig-gereizt, leicht durcheinanderzubringen, verletzlich, unzufrieden und vorwurfsvoll. Sie reagieren überempfindlich gegenüber Wetter, Lärm und sonstigen Einflüssen und lassen sich kaum von ihrem Krankheitsbild ablenken. Viele wirken wie an ihr Leiden gefesselt. Die Beschwerden werden oft in gleichförmiger, aber vorwurfsvoll-anklagender Weise vorgebracht.
- Dazu kommen bestimmte Wesensmerkmale, die von der Umgebung immer schwerer zu ertragen sind: Selbstunsicherheit, Klagsamkeit, seelische Starrheit, mangelnde gemütsmäßige Schwingungsfähigkeit u. a.
- Am Ende wirken manche Patienten wie hirnorganisch verändert, fast wie eine Demenz, also eine erworbene Geistesschwäche. Das ist ein gefährlicher Irrtum.
- Gesamthaft gesehen wird etwa jeder vierte Depressive im höheren Lebensalter wieder stimmungsstabil. Das Gleiche gilt für die Hälfte aller Betroffenen, jedoch erst nach einer relativ langen Krankheitsdauer von durchschnittlich ein bis zwei Jahren. Das muss man wissen, um nicht vorzeitig und unnötig in Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit zu versinken. Nur rund 25 % der Altersdepressionen gehen nicht mehr befriedigend zurück.
- Risikofaktoren sind frühere depressive Episoden, besonders wenn sie öfter vorkamen, ferner körperliche Erkrankungen, belastende Lebensereignisse und Schicksalsschläge. Und eine schon früher auffällige Wesensart, die charakterisiert ist von negativer Einstellung gegenüber allem und jedem, häufiger Miss-Stimmung sowie Abhängigkeit von anderen und schließlich Neigung zu Rückzug und damit Isolation. Therapie.
- Einzelheiten zur Psycho- und Soziotherapie der Depression sowie Pharmakotherapie siehe die entsprechenden Kapitel dieser Serie (1 bis 3).
- Noch vor drei bis vier Jahrzehnten galt die Depression zwar als eine der wichtigsten psychiatrischen Krankheitsbilder (Melancholie, Schwermut), jedoch zahlenmäßig scheinbar eher selten und sogar in den klassischen psychiatrischen Lehrbüchern eher begrenzt abgehandelt. Das hat sich unter dem Druck einer enormen Zunahme und damit unter verstärkten wissenschaftlichen Bemühungen für Diagnose und Therapie deutlich geändert. Ja, man kann sagen: Kein seelisches Leiden hat eine solche Interessen- und damit auch Informations-Zunahme erfahren wie die Depressionen - zum Vorteil für alle Betroffenen, einschließlich Angehörige und Therapeuten.
- Ende Teil 1: Psychosoziale Gesundheit v. Prof. Volker Faust.