Depressionen, und das Alter - Lebensalter.
- Depressionen Teil 1 ff., Depressionen im Alter ff.
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- Psychoreaktive Depressionen im höheren Lebensalter.
- Unter einer psychoreaktiven Depression versteht man eine krankhafte Schwermut, die durch ein äußeres, nachvollziehbares schmerzliches Ereignis verursacht wurde. In jüngeren und mittleren Jahren handelt es sich meist um Liebesenttäuschungen, Zurücksetzung, Partnerprobleme, finanzielle und wirtschaftliche Einbußen, Todesfälle usw.Im höheren Lebensalter müssen es nicht nur einzelne Schicksalsschläge sein, es kann sich auch um eine Vielzahl von scheinbar erträglichen Ursachen handeln.
- Meist sind es Verlustprobleme, die für sich alleingenommen gar nicht so schwerwiegend aussehen.
- Doch spielen dabei zwei wesentliche Gesichtspunkte eine Rolle, die man als Nichtbetroffener oft unterschätzt:
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- Die Trostlosigkeit der äußeren Umstände im Leben vieler alter Menschen. Das heißt nicht nur erzwungene Untätigkeit, Nachlassen von Gesundheit und damit Leistungsfähigkeit, sondern auch oftmals materielle Not und vor allem Rückzug, Verlassenheit und damit Isolationsgefahr. Dazu kommen zwischenmenschliche Konflikte, insbesondere Unstimmigkeiten mit den jüngeren Angehörigen, aber auch mit Bekannten, Freunden, Nachbarn.
- Eine große Rolle spielt die Entwurzelung. Das ist nicht nur der Umzug in eine andere Wohnung, eine andere Stadt, vor allem in ein Heim, sondern auch die allgemeine Vereinsamung. Dadurch wird die eigene Vergänglichkeit deutlich. Dies vor allem dann, wenn solche Fragen zuvor lange verleugnet oder verdrängt worden sind. Oder auch wenn man zu leistungs- und ichbezogen gelebt hat.
- Oft genug sind solche Belastungen zwar lange vorhersehbar, vielleicht sogar erwünscht gewesen. Und doch bringen sie dann, wenn sie schließlich eintreten, das innere und äußere Gleichgewicht durcheinander.
- Dazu gehört beispielsweise der Abschluss des Berufslebens. Er wird vor allem von jenen als "Pensionierungs-Bankrott" oder "Rentenschock" erlebt, die zu eng mit ihrer beruflichen Aufgabe verbunden waren und dadurch die übrigen sozialen Kontakte vernachlässigt haben. Oder diejenigen, die ihr Leben außerhalb der beruflichen Anforderungen nicht zu gestalten wussten oder die jetzt plötzlich den Verlust von Ansehen, Einfluss und Macht nicht ertragen. Das hört sich zwar übertrieben an, spielt aber gerade in unserer Zeit eine wachsende Rolle.
- Auch das Selbständigwerden der Kinder gehört dazu. Es ist zwar normal und gewünscht, kann aber auch als schmerzlicher Verlust der Elternrolle interpretiert werden.
- Wirtschaftliche Armut an sich scheint nicht zu depressiven Störungen zu führen, wohl aber eine mehr oder weniger plötzliche Verarmung. Ein weiterer Gesichtspunkt, der nicht unterschätzt werden darf, ist die jeweilige Persönlichkeit des Betroffenen auf der einen und ihre Veränderung im höheren Lebensalter auf der anderen Seite.
- Denn Wesensmerkmale und charakterliche Eigenheiten entwickeln sich im Alter oft noch ausgeprägter, vor allem was ihre negative Seiten anbelangt:
- Der Sparsame wird geizig, wer unflexibel war, wird halsstarrig, der Vorsichtige ängstlich, der Misstrauische wahnhaft, der Zurückhaltende vereinsamt noch mehr usw.
- Und wenn schon früher eine ausgeprägte seelische Erkrankung vorlag, z. B. mit Ängsten, Zwängen, krankhafter Klagsamkeit, mit Neigung zu Verstimmungen, mit Unruhezuständen oder gar Wahn und Sinnestäuschungen, dann kann sich das im Alter verstärken.
- Auf jeden Fall wächst die nachvollziehbare, aber schmerzliche Erkenntnis, dass mit zunehmendem Alter die Einstellungsfähigkeit auf Neues nachgelassen hat, die Empfindlichkeit jedoch größer und die Abwehrmöglichkeiten geringer geworden sind.
- Dies wird vor allem durch ein zweites Problem verstärkt, nämlich durch die altersbedingten hirnorganischen Veränderungen: Nicht nur Herz, Kreislauf, Magen und Darm, Wirbelsäule, Gelenke usw. altern und bereiten dadurch wachsende Schwierigkeiten, auch die Gehirnleistung lässt nach. Das äußert sich nicht nur in geistigen Einbußen, sondern auch in verringerter seelischer, insbesondere gemütsmäßiger und vegetativer Stabilität, d. h. auch in der schwindenden Fähigkeit, Schicksalsschläge, Kummer, Sorgen, Demütigungen und Kränkungen zu ertragen. Selbst wenn man sich nicht beklagen kann, so wird doch die Haut trotz aller Lebenserfahrungen dünner.
- Damit wird für die meisten auch die allgemeine Lebenssituation immer schwieriger - und die Kraft sie zu meistern lässt nach.
- Dabei handelt es sich in der Regel um normale Abbauerscheinungen. Noch belastender und ggf. folgenschwerer wird es, wenn ernstere Krankheiten ausbrechen, die dann beispielsweise zu Depressionen und Angstzuständen führen. Dabei muss es sich nicht nur um Gehirnkrankheiten handeln, es kann auch andere Organe betreffen.
- Wie ist das zu verstehen?