Hoffnungslosigkeit, Depressiven.
- Therapie der Depressionen ff.
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- Im Laufe der Zeit werden auch die Ziele klarer, was wiederum die Erklärungsversuche und Lösungswege erleichtert. Das betrifft z. B. typische Auslöser eines depressiven Tiefs, ferne ungünstige Denk-Schablonen, ungeschicktes Verhalten, unzureichende Bewältigungsstrategien, negative Gewohnheiten, vielleicht sogar änderungsbedürftige äußere Bedingungen in Partnerschaft, Familie, Nachbarschaft, Beruf usw. So werden im Verlaufe der Behandlung nicht nur die Ziele und Lösungsmöglichkeiten deutlicher, sondern auch manche schicksalhafte oder selbst (mit)verschuldete Ursachen, Beeinträchtigungen, Grenzen und Krisenherde. Spätestens hier beginnen dann auch jene Übungen, die zwischen den Behandlungsterminen vom Patienten selber (und seinen Angehörigen) absolviert werden müssen (siehe später).
- Ganz wichtig ist gerade bei depressiven Zuständen die zwar bittere, aber letztlich natürliche Erfahrung, dass einerseits kleinere Rückschläge und andererseits komplette Rückfälle möglich, ja gar nicht selten und mitunter die Regel sein können. Dies muss einerseits schon zuvor besprochen werden und ist andererseits eine (nicht gerade erwünschte, aber auch nicht unnütze) Gelegenheit, manche biologischen (z. B. erbliche), psychosozialen oder sonstigen Zusammenhänge erneut und vielleicht sogar noch tiefer zu analysieren und entsprechende Lösungen zu erarbeiten, zu erproben und einzuüben.
- Soziotherapie: Was können Angehörige, Freunde, Kollegen u. a. tun?
- Es gibt kaum ein Krankheitsbild, das auch Angehörige, Freunde, selbst Nachbarn, Arbeitskollegen, Vorgesetzte usw. so belastet, beeinträchtigt, ja selber niedergeschlagen macht, bis hin zu eigenen Gefühlen der Hilflosigkeit, wie die Depression. Und das keinesfalls, weil der Patient seine Umgebung bewusst oder aktiv belastet, es reicht schon die bedrückende Atmosphäre von Unglücklichsein, Freudlosigkeit, Energielosigkeit, Hoffnungslosigkeit usw., um alle in Resignation versinken zu lassen.
- Kein Wunder, dass sich nach einiger Zeit diejenigen nicht mehr sehen lassen, die sich das am ehesten leisten können bzw. die die besten Ausflüchte haben und nach und nach auch alle anderen auf zumindest innere Distanz gehen, um nicht irgendwann selber in diese "abgrundtiefe Düsternis" gestoßen zu werden. Und doch braucht der Depressive seine Umgebung jetzt dringender denn je. Nun wird sich zeigen, wer auch in Notzeiten für ihn da ist.
- In der Regel sind das nicht allzu viele, wie nicht anders zu erwarten. Unserer Zeit und gesellschaftliche Struktur ist nicht dazu angetan, hier auf eine positive Wende zu hoffen. Vielleicht ist das auch in den meisten Fällen zuviel verlangt. Was aber nicht zuviel verlangt ist, ist die Empfehlung oder Bitte, sich mit dem Krankheitsbild soweit vertraut zu machen, dass man dem Betroffenen ohne allzu große Belastung oder gar Überforderung so manche indirekte Hilfe oder konkrete Stütze vermitteln kann, denn Wissen ist Macht, Macht zu helfen.
- Auf was ist zu achten?
- Im Grunde zermürbt das depressive Beschwerdebild alle gleich, vom Partner bis zum Arbeitskollegen. Doch gibt es Schwerpunkte, die es zu kennen gilt.
- Was belastet den Partner des Depressiven am meisten?
- Den Partner trifft es am heftigsten und längsten. Er steht auch am stärksten in der Pflicht, durchzuhalten. Das tut er in der Regel auch, doch kostet es ihn unendlich viel Kraft. Manchmal geht das soweit, dass er nach der Genesung des Patienten mit einem eigenen Erschöpfungszustand "einbricht". Deshalb reserviert der Arzt gut ein Drittel seiner Zeit, Kraft und Hilfestellung den Angehörigen. Denn wenn deren Reserven vorher aufgebraucht sind, wird es eng. Manchmal droht schon allein deshalb eine Krankenhausbehandlung, die mit seelisch (und körperlich) stabil gebliebenen Angehörigen umgangen worden wäre.