Beruhigungsmittel, Depressionen.
- Depressionen Teil 3, Medikamentös, ff.
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- Beruhigungsmittel (Tranquilizer).
- Beruhigungsmittel (Fachbegriff: Tranquilizer vom Benzodiazepin-Typ) sind bei einer Depression auch kein Ersatz für Antidepressiva, geschweige denn eine vollwertige Behandlung. Das kann nicht oft genug betont werden. Denn viele depressive Patienten und ihre Angehörigen bedrängen ihren Arzt, lieber Beruhigungsmittel statt Antidepressiva zu versuchen.
- Das hat mehrere Gründe: Zum einen gehören Antidepressiva zu den eher "ungeliebten" Psychopharmaka. Man fürchtet sich vor ihren Nebenwirkungen, ja sogar vor ihrer Suchtgefahr (was nicht stimmt, während Beruhigungsmittel tatsächlich abhängig machen, was meist verdrängt wird). Auch spielt hier ein psychologischer Aspekt mit herein: Niemand möchte gern krank sein, schon gar nicht seelisch krank. Beruhigungsmittel "schluckt jeder", das besagt also noch nichts. Aber wer nimmt schon Antidepressiva? Doch nur der, der seelisch krank ist. Also lehnt man die einzig richtige Behandlung ab, um sich und aller Welt zu beweisen, dass man in Wirklichkeit gar nicht krank ist, höchstens ein wenig erschöpft.
- Darüber hinaus helfen Beruhigungsmittel tatsächlich oft erstaunlich schnell. Sie beruhigen, ohne völlig "niederzudämpfen" und sie lösen die Angst wie keine andere Substanz. Die Stimmung hebt sich (scheinbar) etwas und man wird angenehm gleichgültig. Das muss alles nicht falsch sein, nur darf man eines nicht vergessen: Beruhigungsmittel wirken nicht antidepressiv.
- Wer also eine Depression hat und nur Beruhigungsmittel einnimmt, kann nicht erwarten, dass sich seine Depression wirklich aufhellt - im Gegenteil. Längerer Gebrauch von Beruhigungsmitteln macht nicht nur abhängig, sondern kann die Depression sogar verstärken. So etwas nennt man dann eine pharmakogene, also eine durch chemische Substanzen ausgelöste, verstärkte oder verlängerte Depression.
- Obgleich Beruhigungsmittel also keine stimmungsaufhellende Wirkung haben, wird ihr angstlösender und beruhigender Effekt trotzdem gerne genutzt, wenn es sich um unruhig-gespannte und durch Ängste gepeinigte Depressive handelt. Dann kann die Kombination aus Antidepressivum und Beruhigungsmittel die beste Lösung sein. Nur muss man eines dabei beachten: Das antidepressive Mittel muss über Monate hinweg eingenommen werden, bis die Depression wirklich gewichen ist. Das Beruhigungsmittel wird nur so lange genutzt, bis sich Angst und Anspannung gelöst haben. Das kann schon nach kurzer Zeit der Fall sein und sollte auf jeden Fall nicht länger als einige Tage bis wenige Wochen dauern.
- Schlussfolgerung: Die Beruhigungsmittel sind auch heute noch nützlich, müssen aber überlegter eingesetzt werden - vor allem zeitlich begrenzt und nie ohne ärztliche Überwachung.