Depressive Erkrankungen und Arbeitsplatz.
- Therapie der Depressionen ff.
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- Der Depressive am Arbeitsplatz.
- Bei den Arbeitskollegen ist das Bild ähnlich wie bei Freunden und Nachbarn. Dort schiebt sich naturgemäß vor allem der Leistungsaspekt in den Vordergrund: Interesse, Aktivität, Aufmerksamkeit, Kreativität, Durchhaltevermögen, Zuverlässigkeit, Entscheidungsfähigkeit, Gespür, Führungskraft, Vitalität, Flexibilität, aber auch Kontaktfähigkeit, Mitarbeit, Kollegialität, Hilfsbereitschaft, Belastbarkeit usw. Das sind jene Stichworte, die bei plötzlichem Fehlen oder zumindest ungewohnt mangelhafter Ausprägung die Runde machen.
- Dabei scheint der Betroffene allerdings weniger "nicht zu wollen", eher "nicht mehr richtig zu können, obgleich sein Urlaub noch gar nicht so weit zurückliegt". Auch ist es vielleicht irgend etwas anderes, als nur ein Erschöpfungszustand. Man kann schon mit seinen Reserven am Ende sein, dann aber zumindest noch Routineaufgaben erledigen. Auch pflegt die Erschöpfung nicht gleich schon am Morgen so ausgeprägte Formen anzunehmen, selbst bei jenen Kollegen, die als "Spätstarter" bekannt sind. Doch hier ist es geradezu augenfällig, wie schwer sich der Betreffende in der ersten Tageshälfte tut, während er gegen Dienstende etwas aktiver zu werden scheint (das bekannte "Morgentief" vieler Depressiver mit abendlicher Aufhellung).
- Und fast schon bemitleidenswert ist die Situation dann, wenn unerwartete oder mehrere Aufgaben auf einmal zu bewältigen sind, alles Dinge, die früher keine Rolle spielten. Vor allem Zeitdruck und wechselnde Aufgaben scheinen den Kollegen oder die Kollegin völlig durcheinander zubringen. Dadurch kommt es zu einem deutlichen Leistungsabfall, der auch durch eine fast hektische und irgendwie hilflos wirkende Überaktivität des Betreffenden nicht ausgeglichen werden kann.
- Im Gegensatz zum Burnout-Syndrom (siehe das entsprechende Kapitel), bei dem die Opfer erschöpft, vor allem aber verbittert und ausgebrannt wirken und sich im Rahmen ihrer "inneren Kündigung" zurückziehen und am Ende nur noch mit Ironie, Sarkasmus oder Zynismus reagieren, liegen die Dinge hier offensichtlich anders: Der Betreffende will, aber er kann nicht; er sagt nicht nein, ist aber sofort überfordert, und das bei einem Mitarbeiter, der diesen Posten seit vielen Jahren zu aller Zufriedenheit ausfüllte.
- Das Ganze wirkt nicht unwillig, sondern irgendwie demütigend-hilflos und hinterlässt im Kollegium eine allgemeine Betretenheit, besonders wenn sich der Patient ganz offensichtlich auch noch schämt.