Depression, Depressiven.
- Depressionen 2. Teil Hilfen ff.
- << Depression u. Arbeitsplatz | 30 | 31 | 32| 33 | 34 | 35 | 36 | 37 | 38 | Medikamente >>
- Überredungsversuche:
- Es ist falsch, dem Depressiven einreden zu wollen, "es gehe ihm im Grunde doch gut", "man sehe ihm doch gar nichts an", "er habe doch überhaupt keine Nöte", "wo denn eigentlich seine Probleme liegen würden" usw.
- Depressive sind nicht mit "normalen" Maßstäben zu messen. Depressive leben in Düsternis, auch wenn es keinen Grund gibt. Wenn es Depressiven gut geht, dann sind sie nicht mehr depressiv und können das selber empfinden. Sind sie aber noch depressiv, dann erleben sie eine solche Äußerung als schmerzliche Verkennung ihres Zustandes, als Unverständnis, Misstrauen oder gar Hohn. Ähnliches gilt ja für die bereits erwähnten oberflächlich wirkenden Versprechungen.
- Urlaub:
- Es ist falsch, Depressive in den Urlaub zu schicken. Urlaub ist zwar ein Vergnügen, aber auch eine Belastung, wenngleich mit meist lohnendem Einsatz.
- Man muss sich das einmal vom Beschwerdebild des Depressiven her vorstellen: Urlaub heißt ja in der Regel weg von zu Hause, raus aus dem gewohnten Rahmen, hin in eine neue Umgebung, zumindest nicht in die alltagsgewohnte. Das braucht ein Minimum an Aktivität, in der Regel sogar einiges an Organisationsgeschick, bedeutet vielleicht sogar erst einmal ein Mehr an Belastungen durch Reise, Umstellung, Ungewissheit, kurz: Stress.
- Ein Depressiver aber ist nicht nur leicht und schnell ermüdbar, innerlich unruhig, nervös, getrieben, von verminderter Aufmerksamkeit und ungewohnter Verzagtheit, von verlangsamter Reaktionsfähigkeit bis zur Entscheidungsunfähigkeit, er leidet auch unter Merk- und Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Ratlosigkeit, Verunsicherung, Ängstlichkeit, unter Kontaktverlust, verminderter Leistungsfähigkeit u. a. Am liebsten würde er sich verkriechen, aber wohin, vor allem in fremder Umgebung?
-
So findet er sich - wo immer er sich hinversetzt fühlt - noch weniger zurecht als zu Hause. Meist engen sich seine Gedanken noch zwanghafter auf die depressiven Grübeleien ein. Und was das Schlimmste ist: Geradezu schmerzlich peinigt ihn die häufig anzutreffende Freudlosigkeit, durch die der Kranke seinen früheren Ferienhobbys (an der See, in den Bergen, bei kulturellen Veranstaltungen) gleichgültig (Fehleinschätzung: "undankbar"), teilnahmslos, furchtsam oder durch schwere Schuldgefühle geplagt gegenübersteht.
- Vor allem aber sind die meisten Depressiven durch die - in fremder Umgebung öfter zu erwartenden - neuen bzw. ungewohnten Eindrücke und Situationen rasch überfordert und reagieren schnell mit diffuser Angst oder konkreten Befürchtungen, ja, fast panikartigen Reaktionen. So kann jede schwarze Wolke am Himmel, jede Umleitung, jede Baustelle, jede fremde (!) Panne oder Unfallsituation zu den lächerlichsten und demütigendsten Reaktionen seitens des Patienten und zu herben Beeinträchtigungen, grotesken Situationen und unnötigen Belastungen für die Mitreisenden führen.
- Depressive gehören nicht in den Urlaub, es sei denn, man ist sich des guten Ausgangs völlig sicher. Aber das stellt sich oft genug als Irrtum heraus - zu Lasten aller und zum größten Kummer des Patienten.
- Kuraufenthalt:
-
Es ist auch falsch, Patienten mit einer Depression zur Kur zu schicken. Die Probleme sind dabei im wesentlichen die gleichen wie in den Ferien. Auch ist die überwiegende Mehrzahl der Kurkliniken weder personell, noch ausbildungsmäßig, noch von ihrem diagnostischen und therapeutischen Schwerpunkt her auf depressive Patienten vorbereitet. Ein Depressiver, evtl. noch mit suizidalen Tendenzen, kann deshalb - unabhängig von seinen eigenen Schwierigkeiten - für die dortigen Ärzte, das Pflegepersonal sowie die Mitpatienten zu einer erheblichen Belastung werden.
