Entscheidungen, Wahnideen.
- Depressionen 2. Teil, Hilfen ff.
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- Es sei aber nicht verschwiegen, dass unter günstigen familiären, medikamentösen, ärztlichen und psychosozialen Voraussetzungen sowie bei manchen depressiven Zuständen (z. B. Erschöpfungsdepression) ein gut durchorganisierter Urlaub oder eine Kurverschickung in einer entsprechend ausgestatteten Klinik auch erfolgreich sein kann. Dies setzt allerdings eine gezielte Verlaufsuntersuchung, fundierte organisatorische Planung und entsprechend motivierte/instruierte Angehörige bzw. Therapeuten voraus.
- Reaktion auf Wahnideen:
- Ein Wahn ist die krankhaft entstandene Fehlbeurteilung der Realität. An dieser Einstellung wird mit hoher subjektiver Gewissheit und unkorrigierbar festgehalten, selbst wenn sie im Widerspruch zur objektiven Wirklichkeit, zur eigenen Erfahrung und zum Urteil gesunder Mitmenschen steht.
- Auch Depressive können Wahnideen haben. Dies betrifft vor allem den Krankheitswahn ("mein Leiden ist unheilbar"), den Verarmungswahn ("mittellos, Schulden, jetzt frisst die Krankheit noch das restliche Vermögen auf") oder einen Schuld- und Versündigungswahn ("ein schlechter Mensch rechtswidrig gehandelt, verdient Strafe statt Therapie").
- Solche Wahnideen ausreden zu wollen, ist falsch. Nicht nur der schizophrene, auch der depressive Wahn ist mit logischen Argumenten oder Gegenbeweisen nicht zu korrigieren.
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Lässt man sich auf eine solche nutzlose Auseinandersetzung ein, läuft man Gefahr, das Wahnsystem zu vertiefen. Auch kann ein solches "Misstrauen" das Vertrauensverhältnis gegenüber dem verunsicherten Patienten untergraben, da sich dieser unverstanden, lächerlich gemacht oder gar attackiert sieht. Er kann es ja nicht anders empfinden, seine Krankheit gaukelt ihm eine falsche Realität vor, die für die Außenstehenden als Wahn, für ihn selber aber als Wirklichkeit gilt.
- Deshalb sollte man auch depressions-bedingte Wahnideen zwar nicht befürworten, verstärken oder unterstützen, aber auch nicht ausreden wollen. Für viele Betroffene reicht es, wenn man sie einfach gelten lässt - soweit das ohne ernstere Folgen möglich ist, was allerdings in jedem Einzelfall auf seine Konsequenzen hin zu prüfen ist.
- Entscheidungen treffen:
- Es ist falsch, während einer Depression wichtige Entscheidungen treffen zu lassen, auch wenn sie vom Kranken oder seiner Umgebung noch so dringend gefordert bzw. von der jeweiligen Situation nahegelegt werden.
- Manchmal geht es ja auch um tiefgreifende und folgenschwere Entschlüsse (z. B. Ehe, Familie, Beruf, Erbe, Kauf oder Verkauf). Die Erfahrung lehrt aber, dass nach Abklingen der Depression die Mehrzahl der so unüberwindbar drohenden Probleme und Konflikte weitgehend bewältigt werden kann, und zwar von einem jetzt gesunden Menschen mit seiner gewohnten Konzentrationsfähigkeit, Willens- und Entschlusskraft, und vor allem mit dem früheren Überblick bezüglich der Vielschichtigkeit des Problems.
- Wer dagegen bei einem depressiven Menschen mit seinen mehrfach erwähnten geistigen, seelischen, körperlichen und psychosozialen Defiziten eine Entscheidung während der Krankheit durchzudrücken versucht, macht sich geradezu verdächtig. Er muss sich fragen lassen, ob er die augenscheinliche Schwäche des Betroffenen ausnützen will. Sicher ist das nicht in jedem Fall gegeben, aber man muss daran denken. Dies betrifft nicht zuletzt den letzten Punkt, nämlich den
- Beruf:
- Auch hier ist es falsch, während der Depression irgendeine berufliche Änderung zuzulassen, es sei denn, sie diene dem eindeutigen Vorteil des Betroffenen.
