Depressionen, erbliche Belastung.
- Depressionen Teil 1 ff., Erbliche Belastung.
- << Leidensschwerpunkt | 8 | 9 | 10 | 11 | Selbstmordgefahr>>
- Was muss man Wissen ?
- Bei der Frage nach einer erblichen Belastung oder zumindest Disposition ist es wichtig, sich nicht nur auf eine Eltern-/Großeltern-Generation zu konzentrieren, nur weil man diese besser kennt ("von der anderen Seite gibt es wenig zu berichten" oder "Die kennen wir fast gar nicht"). Gerade bei jenen Personen, von denen man am wenigsten weiß bzw. von denen am wenigsten "rausgelassen" wurde, kann die wegweisende Krankheitsvorgeschichte am ergiebigsten sein (s. u.).
- Die Frage nach der erblichen Belastung oder mindestens Disposition (Neigung, in diesem Falle also ein Art Anfälligkeit) ist von größter Wichtigkeit, auch wenn ihr Hinweiswert nur selten genutzt wird. Manchmal ist sie leicht, in der Regel aber nur schwer und vor allem unvollständig zu beantworten. Zum einen kann man sich kaum mehr an die meisten Verwandten erinnern, zum anderen wurden gerade seelische Störungen - bewusst oder unbewusst - früher viel häufiger vertuscht. Deshalb gilt es sorgfältig nachfragen, zumal solche Gemütskrankheiten nicht selten auch eine Generation überspringen!
- Auch sollte man nicht nach "Geisteskrankheiten", "psychiatrischem Krankenhausaufenthalt" oder gar "Selbstmordversuchen" fragen, was nur schockiert und damit blockiert, sondern eher nach häufigen Beschwerden bzw. Ereignissen forschen, die meist für unverfänglich gehalten werden: hartnäckige Ein- und Durchschlafstörungen, quälendes Früherwachen, ausgeprägte und unbegründete Angstzustände, länger dauernde Phasen von unerklärlicher Traurigkeit, die sich dann wieder verflüchtigten, vielleicht sogar in eine überzogene Hochstimmung umschlugen bzw. ganz allgemein "Schicksalsschläge", "Nervenzusammenbrüche" usw.
- Wichtig:
- Die erstmalige Reaktion auf die Frage nach solchen genetischen Aspekten ist häufig unergiebig.
- Die Antwort nach einer erblichen Belastung ist meist ein spontanes und glattes: "nichts bekannt". Deshalb sollte man diese Frage nach einiger Zeit erneut stellen, durchaus auch ein drittes und viertes Mal. Zwar führte die erste Frage zu einer scheinbar eindeutigen Stellungnahme ("nichts"), hat aber doch in den meisten Fällen einen Denkprozess angestoßen. Dies betrifft nicht zuletzt den Partner oder andere Angehörige, die natürlich viel unbelasteter nachforschen und antworten können. Wird die Frage also nicht mehr wiederholt, trauen sich manche Angesprochene auch nicht mehr, darauf zurückzukommen. Wird sie jedoch wiederholt, ist das die heimlich erhoffte Gelegenheit Vergessenes wieder aufzufrischen - und damit dem Patienten bzw. seinem Arzt entscheidend weiterzuhelfen.