Gefühllos, Depressionen.
- Therapie der Depressionen ff.
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- Große Probleme bereiten auch die Beziehungsstörungen, das heißt der Verlust des gefühlsmäßigen Mitschwingens zwischen dem Patienten und seiner näheren Umgebung (einschließlich Haustiere in besonderer "Familien-Position", wie es beispielsweise Hunde sind!). Die emotionale Anteilnahme ist ja ein ganz natürliches Phänomen, das jeder voraussetzt, und das in der Regel erst dann auffällt, wenn es gestört ist. Konkret bedeutet dies das Nachlassen von Interesse, Zuneigung, Liebe, Mitleid usw. für Menschen, Tiere, Dinge, ohne dass der Betroffene und seine Angehörigen etwas dagegen unternehmen können.
- Eine solche "emotionale Entleertheit" ist wie eine Glasglocke, die sich gnadenlos über ihr Opfer senkt und alles um ihn herum aussperrt - und ihn selber damit in eine erschreckende Isolation treibt. Kommt noch die schon erwähnte überzogene Anspruchshaltung auf viel Zuwendung, Liebe, Unterstützung dazu, gegebenenfalls in jammerig-vorwurfsvollem Ton, dann ist das nicht nur eine groteske, sondern sogar ausgesprochen riskante Diskrepanz, die bei unaufgeklärten Mitmenschen auf Befremden, Ablehnung, ja Zorn oder Empörung stößt.
- Sind die Symptome noch ausgeprägter, das heißt wirkt der Patient innerlich völlig leer, ja ausgebrannt, spricht er evtl. vom Absterben aller Gefühle oder gar dem "klassischen" Depressionssymptom: dem "Gefühl der Gefühllosigkeit", dann erst wird den meisten klar, dass sich hier etwas Krankhaftes zwischen sie und ihren Angehörigen geschoben hat. Das gleiche gilt für Wahnsymptome, also Verarmungswahn, hypochondrische Befürchtungen mit zum Teil abstrusen Empfindungen, auf jeden Fall einer ängstlich-überbesorgten Einstellung mit monotoner Klagsamkeit und unkorrigierbarer Fixierung auf nicht vorhandene Beschwerden. Oder ein Schuld- bzw. Versündigungswahn, wenn nicht gar wahnhafte Fehldeutungen, Entfremdungserlebnisse usw.
- Am gefährlichsten aber sind jene Symptome, die die Angehörigen, Freunde, Nachbarn usw. nicht sofort erkennen lassen, dass es sich hier um eine schwere, vor allem folgendschwere Erkrankung handelt. Dieser täuschende Verlauf mag als weniger quälend und für die Umgebung nicht so belastend erscheinen, hat aber dafür verhängnisvolle Langzeitfolgen.
- Denn wenn die Krankheit nicht als Krankheit erkannt wird, dann bleibt nur noch der Verdacht, es könne sich um Gleichgültigkeit, Gefühlskälte, um eine Neuorientierung (Partner, Beruf, Freundeskreis), kurz: um eine unfassbare Änderung der früheren Wesensart handeln, für die der Betreffende dann aber auch voll verantwortlich wäre.
- Die meisten Depressionssymptome sind deshalb so gefährlich, weil sie lange zu falschen Schlussfolgerungen verleiten - zu Lasten des Betroffenen, der selber nicht weiß, was mit ihm geschieht, und der sich vor allem auch nicht gezielt wehren kann.
- Sobald die Depressionssymptome aber krankheitstypischer werden, zumindest so, wie man sich das in Laienkreisen vorstellt, kann das Leiden zwar noch stärker zermürben, hat aber wenigstens den Vorteil, dass es als Krankheit erkannt, anerkannt und vor allem rasch behandelt wird.