Depressionen, Ratschläge und die Geduld.
- Depressionen 2. Teil, Hilfen ff.
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- Also heißt die Regel: Geduld, Geduld und nochmals Geduld.
- Oder konkreter: viele Wochen, mehrere Monate, im höheren Lebensjahr auch mal ein Jahr und mehr. Schnellere Heilungsverläufe sind möglich, aber nicht immer zu erwarten (und im übrigen nicht immer mit dem günstigsten Endergebnis versehen). Deshalb bedenke man immer wieder, wie viel Zeit man im Grunde schon verloren hat, bis schließlich der Arzt aufgesucht wurde. Natürlich, woher sollte man es auch wissen. Schließlich gibt es berühmte Beispiele depressiver Psychiater, die ihr eigenes Leiden genauso spät erkannten oder anerkannten, wie ihre ahnungslosen Patienten zuvor. Immerhin geht es jetzt voran, aber nicht in beliebiger Geschwindigkeit.
- Man gefährde also den Heilungsverlauf nicht dadurch, dass man 1. die Geduld verliert oder 2. gar mittels falscher Ratschläge den Betroffenen dazu verleitet, seine Medikamente abzusetzen und/oder die psychologische Behandlung zu vernachlässigen. Das wirft sonst um Wochen oder Monate zurück. Und manchmal muss man sogar wieder von vorne anfangen, z. B. wenn man sein Medikament gegen ärztlichen Rat absetzt, dadurch zurückfällt oder gar "einbricht", dann die Therapie wieder aufnimmt - und erneut ein bis drei Wochen warten muss, bis das Antidepressivum wieder "greift".
- Wer als Angehöriger oder Freund mit seiner Geduld am Ende ist, mag dafür gute Gründe haben oder einfach nicht mehr können. Er darf aber trotzdem nicht aufgeben, ja er muss durchhalten, sonst ist der Depressive noch mehr auf sich allein gestellt, noch einsamer, noch gefährdeter. Mag einen der Mut auch verlassen haben, so erinnere man sich doch stets an den tröstlichen Satz:
- Die Depression vergeht wieder, auch wenn man befürchtet, das sei jetzt eine hoffnungslose Ausnahme.
- Und, ganz wichtig für alle Beteiligten: Sich nicht melancholisch anstecken lassen. Handelt es sich um eine sogenannte "Jammerdepression", bei der sich der Patient klagend an jeden anklammert, so gehen die Menschen ohnehin bald auf Distanz. Denn hier merkt jeder rasch, dass er ansonsten völlig ausgelaugt würde.
- Schwerer zu erkennen sind allerdings die heimlichen, die stummen Anklagen und Vorwürfe, das stille Leid, das einerseits noch später erkannt wird, andererseits damit die Umgebung noch länger unbemerkt zermürbt. Plötzlich sind alle erschöpft, resigniert oder niedergeschlagen. Man ist gleichsam in den Strudel der Schwermut gerissen worden, ohne es bemerkt zu haben.
- Deshalb müssen sich alle tagtäglich vor Augen halten: Nur gesunde Angehörige und Freunde können eine echte Hilfe bleiben. Diese Robustheit muss man sich mit aller Kraft bewahren. Das geht am besten, indem man sich ständig selber versichert: Das ist nicht das Elend dieser Welt, das ist eine Krankheit, eine zermürbende Krankheit für uns alle, die aber wieder vergeht. Man muss nur durchhalten, durchhalten, durchhalten!
- Falsche Ratschläge.
- Schon im Alltag der Gesunden, noch mehr im Rahmen einer Depression kann aber selbst der löbliche gute Wille auf falsche Wege führen. Deshalb muss man gewisse Irrtümer und falsche Ratschläge kennen, wie sie nicht selten aus dem Freundes- und Bekanntenkreis kommen, aber auch von Angehörigen, die trotz bester Absicht mehr schaden als nützen. Um was handelt es sich dabei ?