Johanniskraut, Depressionen.
- Depression. T. 3, Behandlung medikament., Johanniskraut - pflanzl. AD.
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- Johanniskraut wird schon seit Jahrhunderten gegen zahlreiche seelische und sogar körperliche Störungen genutzt. Heute wird es vor allem als stimmungsstabilisierendes und -aufhellendes Arzneimittel eingesetzt. Sein Schwerpunkt liegt auf leichteren depressiven Zuständen. Bei mittelschweren Depressionen muss man je nach Einzelfall abwägen. Schwere Depressionen, insbesondere mit "dunklen Selbsttötungs-Gedanken", sind den synthetischen Antidepressiva (siehe später) vorbehalten.
- Wie bei den chemischen Antidepressiva müssen auch bei Johanniskraut Dosis und Behandlungsdauer ausreichend bemessen sein. Eine zu geringe Dosierung oder eine zu kurze Behandlungsdauer verlängern das Leiden unnötig oder führen nur zu einem unzureichenden Therapieerfolg.
- Dass grundsätzlich alle Pflanzenheilmittel nebenwirkungsfrei sind, stimmt natürlich nicht, selbst wenn dies mitunter verbreitet wird. Dies trifft auch nicht für Johanniskraut zu, besonders seit man sich um wirksame Dosierungen bemüht. Zahl und Ausprägung möglicher Nebenwirkungen bleiben aber trotzdem günstig, vor allem im Verhältnis zu den synthetischen Antidepressiva. Die am häufigsten genannte Lichtempfindlichkeit (Fachausdruck: Fotosensibilisierung) spielt jedoch fast keine Rolle, wenn man nicht ungewöhnlich hohe Dosen schluckt, sich nicht völlig unvernünftig der Sonne aussetzt (Gebirge, Strand) oder wenn es sich nicht um ausgesprochen hellhäutige Patienten handelt, die schon in gesunden Tagen aufpassen müssen. Gelegentlich wird aber von Aufstoßen, leichter Übelkeit, Magendrücken und allergischen Reaktionen berichtet.
- Die Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln waren ebenfalls lange kein Thema (zumal man auch keine Wechselwirkung mit Alkohol feststellen konnte). Inzwischen ist man aber auch mit bestimmten Antikoagulanzien (Arzneimittel gegen Thrombose- und Emboliegefahr) und einer Reihe anderen Substanzen vorsichtiger (z. B. bei der "Pille"?). Auch scheint die gemeinsame Gabe von Johanniskraut und bestimmten synthetischen Antidepressiva deren Wirkstoffkonzentration im Blut abzusenken.
- Erfreulicherweise beeinträchtigt Johanniskraut nicht die Wachheit (Fachbegriff: Vigilanz). Das befreit von den sonst belastenden Diskussionen um die aktive Teilnahme am Verkehr bzw. um den Einsatz an entsprechend gefährdeten Arbeitsplätzen. Allerdings darf man bei einem nicht-dämpfenden Wirkstoff auch keine ausgeprägte Beruhigung erwarten. Das ist bei unruhig-gespannten Depressionen aber meist erwünscht. Zwar führt auch der reine antidepressive Effekt letztendlich zu der erhofften inneren Ruhe, doch wäre eine umgehende Dämpfung manchmal hilfreicher. Hier empfiehlt sich die Kombination mit den beruhigenden Pflanzenstoffen Baldrian, Hopfen und Melisse, die man entweder zusätzlich verordnet oder - noch praktischer - in Kombinationspräparaten nutzt.
- Interessant ist noch ein Phänomen, das immer häufiger zu werden droht: die saisonale oder Winterdepression. Offenbar bietet hier das Johanniskraut durch seine verbesserte Licht-Ausnützung eine wirkungsvolle Behandlungsmaßnahme über die dunkle Jahreszeit hinweg.