Physiotherapeutische Maßnahmen
- Depressionen 2.Teil, Hilfen ff.
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- Viele Depressive neigen aufgrund ihrer schmerzlich empfundenen Unfähigkeit und der scheinbar plötzlich erschwerten Lebenssituation dazu, die Schuld an ihrem derzeitigen Zustand einzig und allein bei sich selber zu suchen. Sie glauben organisch krank zu sein, den Anforderungen ihres Berufes nicht mehr gerecht zu werden, dem Arbeitgeber und den Kollegen zur Last zu fallen und diesem Dilemma nur dadurch entgehen zu können, dass sie sich versetzen oder niedriger einstufen lassen, kündigen oder gar einen Rentenantrag stellen.
- Hier muss vor allem der Arzt konsequent eingreifen, sich schützend vor seinen Patienten stellen und dem Arbeitgeber oder Personalchef unzweideutig klar machen, dass es unredlich ist und am entschiedenen Widerstand des Therapeuten scheitern wird, eine solche Situation auszunützen. Auch kann der Betrieb nach Abklingen des Leidens nicht nur wieder mit der vollen Arbeitsleistung, sondern auch mit der Dankbarkeit des Betroffenen rechnen, d. h. mit seiner gewohnten Zuverlässigkeit, Motivation und Einsatzfreude.
- Gerade in der jetzigen Zeit, in der durch die bekannten wirtschaftlichen Zwänge eine mitunter gnadenlose Rationalisierung praktiziert wird, ist es besonders wichtig, auf diesen Punkt zu achten. Auf diese Weise kann eine Depression nicht nur die Gesundheit, sondern auch noch die Position oder gar den Arbeitsplatz kosten.
- Deshalb nochmals:
- Es ist falsch, während einer Depression eine berufliche Veränderung zuzulassen, die vom Betroffenen - krankheitsbedingt - in ihrer vollen Tragweite nicht überblickt werden kann (selbst wenn man den Eindruck hat, hier wisse der Betroffene genau, was er wolle oder zulasse).
- Physiotherapeutische Maßnahmen.
- Physiotherapeutische Maßnahmen im weitesten Sinne (Massagen, Kneipp´sche Anwendungen, medizinische Bäder, ferner Gymnastik, Bewegungstherapie, Schwimmen, Laufen, Radfahren, Trimmen, Bewegungsspiele u. a.) sind auch bei der Depression unerlässlich, obgleich gerade hier die Patienten aufgrund zahlreicher Symptome, vor allem Schwäche, Elendigkeitsgefühl und Willenlosigkeit große Probleme bereiten können. Deshalb sind hier sind vor allem die jeweiligen Experten ihres Faches gefragt.
- Was aber können die Angehörigen tun? Mehr als sie denken. Denn körperliche Aktivität, die allerdings beim gehemmten Depressiven täglich neu erzwungen werden muss, ist eine der wichtigsten antidepressiven Unterstützungsmaßnahmen.
- Nachfolgend deshalb ein etwas ausführlichere Darstellung:
- Körperliche Aktivität als antidepressive Unterstützungsmaßnahme.
- Der vorbeugende und therapeutische Effekt körperlicher Aktivität in Form von Sport und sonstigen Bewegungsübungen gilt nicht nur für Herz- und Kreislauferkrankungen, Atemwegsleiden, degenerative Verschleißerscheinungen des Haltungs- und Bewegungsapparates, sondern auch für psychosomatisch interpretierbare Befindensschwankungen (seelische Beeinträchtigungen, die sich körperlich äußern) und vor allem für Störungen im Gemütsbereich.
- So fühlen sich Sporttreibende in der Regel nach ihrer Aktivität wohler, ruhiger, zugleich aber auch dynamischer. Die Stimmung ist gehoben, Erregungszustände lassen nach, Ärger, Kummer und Frustrationen gehen zurück. Dies betrifft nicht nur den Gesunden. Auch die meisten psychischen Störungen oder Krankheiten sprechen positiv auf körperlich aktivierende Maßnahmen an. Dies wird in den psychiatrischen Kliniken inzwischen systematisch genutzt (siehe oben): Morgengymnastik, Bewegungstherapie, Schwimmen, Wandern, Radfahren, Trimmen, Bewegungsspiele, Reittherapie, Musik-Rhythmik-Tanz usw.
- Regelmäßige (!) körperliche Aktivität besitzt eine nachweisbare antidepressive, angstlösende und entspannende Wirkung. Am besten reagieren darauf Menschen ab den mittleren Lebensjahren. Sofort spürbar ist ein seelischer Kurzzeiteffekt von etwa zwei bis drei Stunden, der sich nach etwa fünf Stunden wieder zu verflüchtigen beginnt.