Zu Reaktiven Depressionen.
- Depressionen Teil 1 ff., Einteilung Neu.
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- Larvierte Depression.
- Die larvierte Depression ist ein depressives Zustandsbild, das sich hinter der Maske (lateinisch: larva) körperlicher Beschwerden verbirgt. Die larvierte Depression ist kein eigenständiges Krankheitsbild und muss deshalb entsprechend eingeordnet werden. Im Grunde ist diese Diagnose nur rückwirkend möglich. Denn wenn eine Depression einmal als solche erkannt ist, ist sie zwangsläufig nicht mehr larviert. Als permanente Mahnung, auf dieses häufige Phänomen zu achten, ist der Begriff (larvierte Depression) aber nach wie vor hilfreich.
- Chronische reaktive Depression.
- Die chronische reaktive Depression ist begrifflich eigentlich ein Widerspruch in sich. Entweder ist eine Depression reaktiv (und damit zeitlich begrenzt) oder chronisch. Trotzdem wies der Begriff jahrzehntelang auf ein besonderes Phänomen hin, nämlich die seelischen, organischen und vor allem psychosozialen Gesundheitsschäden nach Gefangenschaft, Folter und Verfolgung. Geht heute im Begriff der posttraumatischen Belastungsstörung auf. Siehe die Kapitel über Extrembelastung, Folter u.a.
- "Sissi-Syndrom"
- Das "Sis(s)i-Syndrom", benannt nach Kaiserin Elisabeth von Österreich, die durch ihre rastlose (Über-)Aktivität ihre Depression zu "behandeln" (konkreter: zu überspielen) versuchte. Heute scheint sich dieses Leidensbild tatsächlich häufiger feststellen zu lassen, weshalb man es als spezielles Depressions-Syndrom darzustellen versucht.
- Beschwerdebild: ausgeprägte innere Unruhe, Rastlosigkeit, hoher Aktivitätsdrang, sprunghafter Wechsel von Einstellungen und Interessen sowie ein von äußeren Faktoren überzogen abhängiges Selbstwertgefühl. Dazu viel sportliche Aktivität, ein ausgeprägtes Bemühen, trotz depressiver Verstimmungen einen guten Eindruck zu machen, und zwar durch selbstbewusstes, ggf. charmant-attraktives, auf jeden Fall dynamisches Auftreten sowie der Versuch, depressions-typische Verhaltensweisen oder gar Klagen zu vermeiden. Dazu gehört auch die (auf Dauer verhängnisvolle) Einstellung: keine Behandlung, schon gar keine Depressions-Therapie.
- Fraglich bleibt, ob sich das "Sissi-Syndrom" tatsächlich als eigenständige Depressions-Form abgrenzen lässt. Der Versuch, auf diese Weise diesem zweifellos vorhandenen Patienten-Typ die notwendige Erkenntnis und Therapie-Konsequenzen nahe zu bringen, ist sicher nicht falsch.
- Neue Einteilung der Depressionen.
- Die neuen Einteilungen der Depressionen basieren auf den erwähnten internationalen Klassifikationen der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung (APA) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Im Einzelnen:
- Die Amerikanische Psychiatrische Vereinigung (APA) und ihr Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen (DSM-IV)
- Das US-amerikanische Klassifikationssystem DSM-IV (IV. überarbeitete Auflage) definiert eine Depression nach bestimmten Einschlusskriterien (erfüllt oder nicht, demnach Depression ja oder nein) und bestimmten Zeitverläufen mit charakteristischen Krankheitszeichen.
- Dazu gehören beispielsweise zu einer Episode einer Major Depression (deutsch: Typische Depression) folgende Symptome: depressive Verstimmung, Gewichtsverlust oder -zunahme, Schlaflosigkeit oder vermehrter Schlaf, Müdigkeit und Energieverlust, unangemessene Schuldgefühle, Entscheidungsunfähigkeit, Todesgedanken, Verlust an Interesse oder Freude, Appetitverlust oder -zunahme, seelisch-körperliche Unruhe oder Hemmung, Gefühl der Wertlosigkeit sowie Denk- und Konzentrationsstörungen.
- Dabei können verschiedene Untertypen abgegrenzt werden wie melancholischer Typus, saisonal abhängige Verlaufsform (z. B. vorwiegend in der dunklen Jahreszeit) sowie mit oder ohne besondere Merkmale wie Wahn oder Trugwahrnehmungen.
- Eine Bipolare Störung, die durch das abwechselnde Auftreten zweier Stimmungs-Pole charakterisiert ist, äußert sich entweder in einer Major Depression (Typische Depression - s. o.) oder in einer manischen Episode mit krankhafter Hochstimmung.
- Eine Dysthyme Störung oder Depressive Neurose zeigt vor allem depressive oder depressiv-reizbare Verstimmungen, wenig oder zuviel Schlafbedürfnis, ein niedriges Selbstwertgefühl, Appetitlosigkeit oder Appetitzunahme, wenig Energie oder eine ungewöhnliche Erschöpfungsneigung, das Gefühl der Hoffnungslosigkeit sowie geringe Konzentrationsfähigkeit mit Entscheidungsschwierigkeiten.
- Das ist aber nur die komprimierte Darstellung einer ansonsten recht detailreichen Klassifikation, die durch ihre Vereinfachung weltweit Verständnis, die gleichen Anwendungsmerkmale und damit die Forschung erleichtern sollen.