Suizid-gefahren, Suizid.
- Depressionen 2. Teil, Hilfen ff.
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- Appelle:
- Es ist falsch, den Depressiven aufzufordern, sich zusammenzureißen, sich nicht gehen zu lassen, Haltung zu zeigen, sich zu beherrschen usw. Solche Aufrufe an einen hoffnungslosen, schwunglosen, willensgeschwächten Patienten pflegen seine Verzweiflung nur noch zu verstärken, vielleicht sogar die Suizidgefahr zu erhöhen.
- Der Depressive ist nicht unwillig, er ist unfähig. Das ist ein großer Unterschied. Der Depressive sieht zwar nicht unbedingt aus wie ein Schwerkranker, aber er ist schwer krank, und zwar auf allen Ebenen, das muss immer wiederholt werden: seelisch, körperlich, zwischenmenschlich und nicht zuletzt beruflich.
- Appelle sind auch eine bequeme Art, sich von der Verpflichtung loszusagen, seinen betreuenden und stützenden Anteil zur Behandlung eines depressiven Krankheitsbilderes zu leisten. Dabei sind Appelle nicht grundsätzlich falsch, sie dürfen aber auch nicht den - heute immer häufigeren - gnadenlos-fordernden Charakter annehmen, der dem anderen seine ganze Hilfs- oder gar Wertlosigkeit vorführt.
- Wenn also Appelle, dann in kleinen, konstruktiven und wohlwollend-fördernden Schritten, die das Lob über jede Willensanstrengung und (noch so kleine) Leistung in den Mittelpunkt stellen.
- Ablenkung:
- Es ist falsch, dem Depressiven Ablenkungs-, Vergnügungs- oder Zerstreuungsmöglichkeiten anzubieten oder zu empfehlen. Mit solchen Maßnahmen kann ein Mensch, der ja die Fähigkeit sich zu freuen verloren hat, nichts anfangen. Im Gegenteil: Wenn man ihn auf die "schönen Dinge dieser Welt" verweist, wird ihn das noch mehr deprimieren und obendrein noch in Schuldgefühle stürzen. Ja, man muss sich bei der Depression sogar noch eine fast absurd wirkende Reaktionsweise merken:
- Gerade die Hinweise, die bei Gesunden nicht oft genug fallen können, weil sie in unserer hektischen und vom Gemüt her immer flacheren Welt in Vergessenheit geraten, gerade diese "kleinen Freuden des Lebens" gehen am Depressiven nicht nur völlig vorbei, sondern können ihn sogar irritieren, ja quälen.
- So wird ihm eine heitere Gesellschaft zur Belastung, fast unerträglich. Er muss sich zurückziehen, weil ihn das alles förmlich erschlägt.
- Auch flotte Melodien oder "nur" fröhliche Musik kann er nicht (mehr) ertragen, selbst wenn sie früher zu seinen Lieblings-Musikstücken gehörten. Was mitunter gerade noch geht, sind ernste, oft auch nur noch schwermütige Weisen, die ihm nebenbei nicht noch mehr gemütsmäßig herunterziehen, sondern durchaus hilfreich sein können, sofern ihm Musik etwas bedeutet.
- Oder strahlende Sonne, schönes Wetter, der bei Gesunden allseits ersehnte Anlass, wieder aktiv, fröhlich, optimistisch und gut gelaunt zu sein, sie irritieren und belasten - scheinbar paradoxerweise - den Depressiven, nicht nur weil "alles zu hell" ist, sondern weil es nicht zu seiner inneren Düsternis passt, es tut förmlich weh, weshalb sich der Depressive gerne verkriecht. Ähnliches gilt für Fröhlichkeit, Lachen, Vogelgezwitscher, Blumenpracht usw.
- Wenn also schon die natürlichen "Stimmungsaufheller" eine so gegenteilige Wirkung auslösen, so gilt dies umso mehr für jene Ablenkungs- und Aufheiterungsversuche, die man im gesunden Alltag zu nutzen pflegt. Man muss sich einfach stets vor Augen halten: Ein Depressiver ist innerlich so ungewöhnlich empfindlich, wie eine Verbrennungs-Wunde, bei der die Haut erst langsam wieder zuwächst; bis dahin schmerzt jeglicher Windhauch.