Über Trauer und Verstimmung.
- Depressionen Teil 1, Beschwerdebild ff.
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- Verstimmungszustände sind Befindensstörungen im Alltag.
- Die Trauer ist eine natürliche Reaktion aufgrund eines belastenden Ereignisses.
- Die Depression dagegen ist eine Krankheit, eine Gemütskrankheit. Verstimmungszustände kann man überwinden lernen. Bei der Trauerreaktion "heilt meist die Zeit die Wunden". Eine Depression hingegen kann man nicht einfach überwinden, aussitzen, überspielen, verdrängen oder ausschalten.
- Eine Depression verändert ihr Opfer tiefgreifend, und zwar seelisch, körperlich, zwischenmenschlich und leistungsmäßig-beruflich. Während einer Depression kann man das Leben nicht mehr so weiterführen wie bisher - oder nur mit der größten Anstrengung. Depressionen sind vor allem deshalb so gefürchtet, weil sie alle Lebensbereiche beeinträchtigen. Einer Depression ausgeliefert sein, heißt nirgends mehr Zuflucht zu finden. Depressionen gehören zusammen mit der Alzheimer Demenz nicht umsonst zu den gefürchtetsten Krankheiten.
- Wen treffen Depressionen ?
- Niemand kann vor einer depressiven Erkrankung sicher sein. Kein Wunder, depressive Zustände nehmen zu. Heute vermutet man, dass zwar nur wenige (rund 1 %) wegen einer schweren Depression in einer psychiatrischen Fachklinik behandelt werden müssen, doch mehr als jeder zehnte Patient des Hausarztes unter depressiven Zuständen leidet. Und das Schlimmste dabei: Nicht einmal ein Fünftel der Betroffenen wird rechtzeitig als depressiv erkannt und konsequent behandelt, weil nicht einmal der Betroffenen weiß, was er hat, geschweige denn damit zum Arzt geht.
- Dabei fallen die körperlichen und sozialen Beeinträchtigungen im Durchschnitt folgenschwerer aus als bei Patienten mit so weit verbreiteten chronischen Krankheiten wie Hypertonie (Bluthochdruck), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Arthritis (Gelenkentzündung) oder degenerative Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule. Bei einer Depression beträgt die durchschnittliche Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage pro Monat 8,7, bei einer chronischen körperlichen Krankheit dagegen lediglich 2,6.
- Häufigkeit.
- Die Punktprävalenz (Anzahl der zu einem bestimmten Zeitpunkt als krank angetroffenen Personen) liegt für sämtliche depressive Störungen einschließlich leichterer Formen bei über 10 %, für schwere bei 2 bis 7 %. Die Lebenszeitprävalenz (das Risiko, mindestens einmal im Leben zu erkranken) wird für die heute als "major depression" (früher als endogene Depression) bezeichneten depressiven Zustände auf 7 bis 18 % geschätzt.
- Zwei Vorstellungen gilt es jedoch zu korrigieren: Das höhere Lebensalter stellt weder einen besonderen Risikofaktor noch einen Schutz gegen erstmalige depressive Erkrankungen dar. Und auch im Kindes- und Jugendalter sind depressive Erkrankungen nicht selten - im Gegenteil. Bei Jugendlichen ist die zweithäufigste Todesursache inzwischen der Tod durch eigene Hand (bis zu 80 % aller Suizidopfer jeglichen Alters sollen an einer Depression leiden, auch hier soll nicht einmal ein Fünftel davon gezielt behandelt worden sein). Am häufigsten brechen depressive Zustände sogar in den "besten Jahren" aus. Man ist aber in keinem Lebensabschnitt gegen Depressionen gefeit.