Winterdepressionen.
- Depressionen Teil 1 ff., Depressionsformen ff,.
- << Erblichkeit | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 |Therapien, Tl. 2 >>
- Winterdepression.
- Saisonale oder sogenannte Winterdepressionen sind keine neuen Erkenntnisse. Jahreszeitliche Veränderungen der Stimmung und Aktivität des Menschen sind seit altersher bekannt.
- Schon früher berichtete man nicht nur von zunehmenden Stimmungsschwankungen, schlechter Laune, verminderter Tatkraft, verstärkter Müdigkeit, erhöhtem Schlafbedürfnis und gesteigertem Appetit in den Herbst- und Wintermonaten, sondern auch von regelrechten Winterdepressionen (auch als Lichtmangel-Depression bezeichnet), die von einer leichten bis mittelstarken Hochstimmung im Frühjahr oder Frühsommer abgelöst wurden.
- Solche saisonal abhängigen depressiven Zustände treten auch zusätzlich bei endogenen sowie psychogenen Depressionen auf, wobei sich die eine Form auf die andere gleichsam aufpfropfen kann.
- Die Häufigkeit ist schwer festlegbar, soll aber doch mehrere Prozent in der Allgemeinbevölkerung betragen. Die Alters- und Geschlechtsverteilung spricht von einem deutlichen Überwiegen des weiblichen Geschlechts mit Schwerpunkt jenseits des 20. Lebensjahres. Die Dauer erstreckt sich auf einige Monate zwischen Herbst und Frühjahr.
- Neben dem typischen depressiven Beschwerdebild (Herabgestimmtheit, innere Unruhe, Rückzug und Isolationsneigung, Interesselosigkeit, Libidostörungen, Angst, Reizbarkeit u. a.) finden sich jedoch charakteristischerweise eher eine Appetitzunahme (statt Appetitlosigkeit), vor allem ein verstärktes Verlangen nach Kohlenhydraten (Süßigkeiten, Teigwaren) mit Gewichtszunahme sowie eine verlängerte (wenn auch nicht erquickliche) Gesamtschlafzeit.
- Als Ursache vermutet man eine Störung bestimmter Botenstoffe (Neurotransmitter) durch winterlichen Lichtmangel, wie er in einigen Regionen dieser Erde (nördliche USA, Kanada, Skandinavien, Finnland, Nord-Russland usw.) stärker ausgeprägt ist.
- Die Therapie besteht in einer Verlängerung der täglichen Lichteinwirkung durch normales oder künstliches Licht (Einzelheiten diese das spezielle Kapitel).
- Weitere Depressionsformen.
- Schließlich gibt es noch zahlreiche weitere Depressionsformen, die entweder einer der obigen Gruppen zugeordnet werden können oder verschiedene Ursachen haben: z. B. Depression in den Wechseljahren oder im Wochenbett, die schizoaffektiven Psychosen, bei denen manische oder depressive Phasen mit schizophrenen Krankheitszeichen gemeinsam auftreten usw. Einzelheiten dazu siehe die speziellen Kapitel.
- Nachfolgend eine Auswahl besonders häufiger spezifischer Depressionsformen in Stichworten:
- Rapid-Cycling-Syndrom.
- Das Rapid-Cycling-Syndrom oder die manisch-depressive Erkrankung mit schnellem Phasenwechsel ("rascher Phasenwechsler") sind in letzter Zeit in den Mittelpunkt des Forschungsinteresses gerückt. Dabei differenziert man in
- Rapid-Cycling-Syndrom: jährlich mindestens vier Phasen bzw. zwei bipolare (manisch-depressive) Krankheitszyklen. Zykluslänge zwischen wenigen Tagen und mehreren Wochen.
- Ultra-Rapid-Cycling: noch schnellerer Phasenwechsel innerhalb von 48 Stunden mit entsprechend kurzer Phasendauer.
- Das Rapid-Cycling-Syndrom ist mit seinen fast uhrwerkartig ablaufenden Rhythmusstörungen und kurzfristigen Zyklen ein wissenschaftlich noch nicht ausreichend geklärtes Phänomen. Die schnellen Phasenwechsel fanden sich früher vor allem im höheren Lebensalter und dann bisweilen mit einer eigenartig manisch-depressiven Mischsymptomatik sowie im Kindes- und Jugendalter. Dort kann es soweit gehen, dass die Betroffenen morgens maniform (heiter-angetrieben und überdreht) und abends depressiv sind (oder umgekehrt).
- Inzwischen aber scheint das Rapid-Cycling-Syndrom alle Altersstufen einzuschließen und nimmt offensichtlich zu.
- Prämenstruelles Syndrom - prämenstruelle dysphorische Störung
- Das prämenstruelle Syndrom zählt nicht zu den depressiven Zuständen, auch wenn neben dem vielfältigen Leidensbild affektive, also Gemütsstörungen im Mittelpunkt stehen. Dasselbe gilt auch für die seltenere prämenstruelle dysphorische Störung mit noch ernsteren Beeinträchtigungen. In beiden Fällen wird aber als zusätzliche Therapiemaßnahme auch eine Behandlung mit antidepressiven Substanzen (z. B. zu Beginn mit Johanniskraut) diskutiert. Weitere Einzelheiten siehe die spezielle Serie über Frau und seelische Störungen.
- Postremissiver depressiver Erschöpfungszustand Schizophrener
- Der postremissive depressive Erschöpfungszustand ist ein meist apathisch-depressives Zustandsbild im Rahmen einer häufig lang dauernden und/oder ausklingenden schizophrenen Psychose unter Neuroleptikabehandlung. Dabei werden verschiedene Ursache diskutiert: Krankheitsstress, Dauerbehandlung mit Neuroleptika (antipsychotisch wirkende Psychopharmaka), psychosoziale Leidensfolgen usw. Das schizophrene Krankheitsbild ist meist resigniert-depressiv getönt, auch wenn es die schizophren-psychotischen Symptome häufig überlagern.