Diagnosen, Auslösern und Depressionen.
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- Für den Arzt sind schließlich noch folgende Daten wichtig, die das diagnostische Mosaik abzurunden helfen. An diese Erkenntnisse kommt er aber nur heran, wenn sie von Patient und Angehörigen zuvor geprüft, überdacht und entsprechend zurechtgelegt wurden (am besten schriftlich).
- Nachfolgend deshalb folgende Überlegungen:
- Auslöser:
- Liegt den derzeitigen oder früheren depressiven Zuständen ein auslösendes Ereignis von subjektiver Bedeutung zugrunde? Vorsicht: Was welche Bedeutung bzw. Erschwernis hat, entscheidet einzig und allein der Betroffene, nicht seine Umgebung. Wie frustrierend oder gar verhängnisvoll solche Fehleinschätzungen sein können, kennt jeder aus seiner eigenen Jugend, den Satz noch im Ohr: "Deine Sorgen möchte ich haben ...!"
- Bei den subjektiven Auslösern auch auf sogenannte Jahrestagreaktionen achten, d. h. erinnerungsschwere und damit kritische Daten wie Todestag naher Angehöriger, Erkrankungs-, Trennungs- oder Scheidungstermine, sonstige Verluste oder heimlich belastende Ereignisse u. a.
- Im übrigen können auch chronische Belastungen unbemerkt jene Grenze erreichen, die dann zum entscheidenden Auslöser wird, auch wenn sie von niemandem als Ereignis von Bedeutung eingestuft werden.
- Allerdings ist es nicht einfach, zwischen "echten" und vorgeschobenen, zumindest überbewerteten Unannehmlichkeiten zu unterscheiden. Viele Patienten und vor allem Angehörige neigen in ihrer Not und Verzweiflung dazu, zu nachvollziehbaren, nach außen einigermaßen stichhaltigen Ursachen und Motiven Zuflucht zu nehmen und diese dann einseitig und beharrlich als entscheidendes Kriterium anzubieten bzw. immer wieder in den Vordergrund zu stellen. Das sind dann meist bedrückende Geschehnisse, die durchaus einen möglichen Grund abgeben können, bei genauem Nachfassen aber doch nicht so entscheidend sind. Hier wird der Arzt gezwungen sein, mit Takt und Verständnis weiterzuforschen, ohne die Erklärungsversuche von Patient und Angehörigen deshalb in Frage zu stellen.
- Organische oder medikamentöse Ursachen: Welche körperlichen Krankheiten wurden bisher festgestellt (körperlich begründbare Depression); welche medikamentösen Maßnahmen wurden angesetzt oder laufen noch (medikamentenbedingte Depression)?
- Reaktive Faktoren: Gab oder gibt es im Leben des Patienten Ereignisse, die ihn seelisch und/oder psychosozial belasten und die ihm im Grunde nicht mehr losgelassen haben - auch wenn er darüber nicht spricht?
- Erschöpfungszustand: Ist der Patient einer gefühlsmäßigen Belastung bzw. entlastungslosen Stress-Situation ausgesetzt, z. B. in Partnerschaft, Familie, Nachbarschaft, Berufsleben (Erschöpfungsdepression)?
- Verlauf: Hat der Patient bereits ein- oder mehrmals depressive oder manische (= Hochstimmungs-)Phasen unterschiedlicher Ausprägung durchgemacht - evtl. an bestimmte Jahreszeiten wie Frühjahr oder Herbst gebunden? Oder - ggf. weniger ausgeprägt, aber gleichwohl belastend - in der dunklen Jahreszeit (also etwa zwischen November und Februar/März = Winter- oder Lichtmangeldepression)?
- Beim weiblichen Geschlecht ist besonders die Zeit nach einer Schwangerschaft von Bedeutung. Dort irritieren zwar fast immer die sogenannten "Heultage", doch die sind normal. Die Frage lautet: Hat sich einige Tage nach der an sich komplikationslosen Geburt eines gesunden Kindes plötzlich eine ausgeprägte Schwermut eingestellt, die weit über die bekannten Heultage hinausgegangen ist und mehrere Woche angedauert hat?
- Erbliche Belastung - Disposition: Ist der Patient durch seelische Störungen oder Erkrankungen seitens Großeltern, Onkels, Tanten, Nichten, Neffen, Eltern, Geschwister eventuell vorbelastet? Bei dieser Frage, an die selten gedacht und die noch seltener gestellt wird, die aber gleichwohl zu den wichtigsten gehört, was die Ursache einer Depression (manischen Hochstimmung) anbelangt, nachfolgend noch einige Hinweise.