So funktioniert der Schrittmacher gegen die Angst.
Eine Elektrode wird unter Betäubung in die Hirnregion ( Nucleus accumbena ) gelegt, in der überaktive Nervenzellen Panikattacken, Zwangsdenken und Zwangshandlungen auslösen. Die Stromimpulse sollen wie ein elektrischer Dämpfer wirken. Kabel und Batterie zur Versorgung der Elektrode mit Strom werden unter die Haut gepflanzt. Der Patient kann die Batterie mit einem Magneten von aussen ein- und ausschalten.
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Seit Anfang der Neunzigerjahre setzt er Hirnschrittmacher ein, um motorische Störungen bei Parkinson-Kranken zu behandeln bei denen medikamentöse Therapien versagt haben. "Bei Parkinson ist ein winziges Hirnareal enthemmt. Es wirkt wie ein Störsender und blockiert grosse Anteile der Hirnrinde", erklärt Sturm. Die Patienten zittern zunächst und können sich schliesslich kaum noch bewegen. " Wenn man diese störenden Signale herunterreguliert , dann laufen sie wieder, es ist faszinierend ", schwärmt der Neurochirurg.
Faszinierende Erfolge bei Parkinson.
Ähnlich wie bei Parkinson stehen auch hinter Ängsten und Zwängen veränderte Nervenzellenaktivitäten, ist sich Sturm sicher. " Das ganze Nervensystem im Hinrgewebe ist durch die Ausschüttung von Botenstoffen verschaltet. Eine Störung muss man sich wie ein kaputtes Stellglied innerhalb der Regelkreise vorstellen." Für die tiefe Hirnstimulation gelte es, das gestörte Kerngebiet zu finden, um dort überschiessende Impulse mit einer Art elektrischem Dämpfer zu blockieren. Als Störquelle für Zwangsneurosen und Ängste macht Sturm einen erbsengrossen Teil des Nucleus accumbens verantwortlich, eine Schalt- und Regelstelle zwischen der Grosshirnrinde und dem für die unbewusste Verarbeitung von Gefühlen massgeblichen limbischen System.
Wie er das herausgefunden hat ?
"Aufgrund früherer Erfahrungen von Kollegen, die bei psychisch Kranken winzige Gewebebereiche im Gehirn erhitzt und damit ausgeschaltet haben." Auffällig dabei: Ängste und Zwangsgedanken gingen umso mehr zurück, je näher der Zielort der Verödung am Nucleus accumbens lag. "In der Idee, die Überaktivität der Nervenzellen durch einen Hirnschrittmacher zu unterdrücken, lag für mich ein besonderer Reiz. " sagt Sturm.