Depressionen - Operation und Risiko.

Das Risiko.
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 |

Im Gegensatz zur Ausschaltungsoperation, wo immer das Risiko eines Zuviel an Verödung bestehe, könne man den Eingriff jederzeit durch abstellen oder herausziehen der Sonde rückgängig machen. Autopsien verstorbener Patienten zeigten: Das Gewebe um die Elektroden bleibt unbeschädigt.

Wie mit dem Löffel durch Bohnensuppe.

Lange war Sturm hin- und hergerissen. Die Operation selbst würde ein Routineeingriff sein. Während der vergangenen 10 Jahre hatte er bereits hunderten von Parkinsonpatienten einen Hirnschrittmacher eingesetzt. Mögliche direkte Folgen der Operation würden sich im Rahmen halten. " Das Risiko von Infektionen und Blutungen liegt bei unter einem Prozent." sagt Sturm.

Auch die Gefahr neurologischer Ausfallerscheinungen ist gering: Die Zugänge zum Zielpunkt werden per Computer- und Kernspintomographie so berechnet, dass keine funktionell wichtigen Hirnareale durchdrungen oder Blutgefässe verletzt werden. Damit Laien sich das vorstellen können vergleicht der Neurochirurg Hirnzellen gerne mit dicker Bohnensuppe. " Wenn man da mit dem Kochlöffel durchgeht, macht man die Bohnen nicht kaputt , sondern verdrängt sie."

Dass er trotz der vielen guten Argumente so lange gezögert hat , die THS bei psychisch Kranken einzusetzen, hat vermutlich auch mit düsteren Kapiteln der Medizingeschichte zu tun, die das öffentliche Denken über psychochirurgische Eingriffe geprägt haben. Es gibt Kollegen die sagen: " Professor Sturm betritt verbrannte Erde. " Einige sehen die Eingriffe als Grenzüberschreitung.

Düstere Kapitel der Medizingeschichte.

Hintergrund: In den 30er bis 50er ahren wurden psychisch Krannken und kriminellen zur " sozialen Wiederanpassung " sämtliche Verbindungsbahnen zwischem dem Stirnhirn und dem limbischen System durchtrennt - eine ethisch höchst fragwürdige Angelegenheit. Anschliessend waren Exhibitionisten, Pädophile und Sexualstraftäter zwar von Ängsten und Aggressionen befreit - aber häufig auch von allen anderen Gefühlen. Viele vegetierten bis an ihr Lebensende in Pflegeheimen - wenn sie nicht, wie oft geschehen, wegen katastrophaler hygienischer Bedingungen nach der Operation an einer Infektion starben.
depression_lgo