Wissenschaftliche Studien bestätigen eine durchschnittliche Verringerung der motorischen Symptome um 40 bis 70 %. Während erste Effekte der THS beim Morbus Parkinson noch auf dem Operationstisch sichtbar sind, müssen psychisch Kranke in der Regel drei bis sechs Monate auf ein Erfolgserlebnis warten.
"Als ich aus der Narkose aufwachte, war die Anspannung noch da" erinnert sich Gabriele Hecht. Auch in den Wochen danach tat sich nicht viel. " Immer wieder legten die Ärzte eine Art Scanner auf meinen Brustkorb und versuchten, die optimale Einstellung für Stromspannung, Stromstärke und Impulsfrequenz herauszufinden. Fünfmal, sechsmal - die tiefe Traurigkeit blieb. Beim siebten Mal passierte etwas Merkwürdiges. Gabriele Hecht verliess den Untersuchungsraum, und die Schritte fühlten sich auf einmal so leicht und beschwingt an. Sie lief den Gang zu ihrem Krankenzimmer und lächelte. Wie lange hatte sie das nicht mehr getan ?
Wenn die 47-jährige die anschliessenden Klinikmonate schildert, überschlägt sich ihre Stimme vor Euphorie. " Es war Frühling. Ich lief durch den Park, lauschte Vogelstimmen, atmete Blumendüfte ein - Dinge, die ich seit Jahren nicht mehr bewusst erlebt hatte. Ich ging zum Bummeln in die Stadt, zum Eisessen, ins Kino. " Mit einem Schlag, sagt sie, sei sie wieder sie selbst gewesen.
Eine Aussage, die Volker Sturm mehrfach von Patienten gehört hat. Für ihn die denkbar schönste Bestätigung: zu wissen, einem Menschen wirklich geholfen zu haben.
Unterm Strich kann sich das Ergebnis der Pilotstudie sehen lassen: In sieben Fällen ist nach der Operation eine Besserung des Krankheitsbildes eingetreten. Eine Angst- und 2 Zwangskranke leben seit einigen Jahren symptomfrei. Der wissenschaftliche Beweis für die Richtigkeit der Methode steht aber noch aus.
Das Problem: Hirnareale wie der Nucleus accumbens lassen sich zwar mit Hilfe der Kernspintomographie eindeutig lokalisieren, nicht aber die vorhandenen Störungen. " Daran arbeiten wir ", sagt Sturm.
Zunächst sollen im Rahmen einer " Doppelblindstudie " weitere Nachweise erbracht werden: An der Kölner Universitätsklinik sollen 20 Zwangspatienten den Schrittmacher implantiert bekommen - doch nur bei 10 davon wird er am Tag nach dem Eingriff auch angestellt. Nach drei Monaten findet ein Wechsel statt: Die Schrittmacher der ersten Gruppe werden abgestellt, dafür aktiviert man die Geräte der Gruppe zwei. " Die Studie ist eine Voraussetzung für ein eventuelles späteres Zulassungsverfahren ", erläutert Sturm.
In anderthalb bis zwei Jahren könnte es soweit sein. Nicht nur für medizinische Laien klingt die Methode etwas nach Science - Fiction. " Theoretisch ist es denkbar, Leute damit zu manipulieren ", gesteht Sturm. Bei aggressiven Menschen könnte man die überschiessenden Impulse herunterregulieren. Aber das wollen wir nicht. " Es gelte, krankhafte Zustände zu therapieren, nicht gesunde Gehirne zu beeinflussen. Nicht ohne Grund seien die Auswahlkriterien für Patienten so streng.
Gabriele Hecht hat sich vorgenommen, das Thema in ihrem Umfeld nicht an die grosse Glocke zu hängen - aus Angst vor komischen Reaktionen. Einmal wollte sie es wissen: Sie nahm die Fernbedienung zur Hand mit der sie den Schrittmacher jederzeit an- und abschalten kann. Machte ihn aus. Minuten später habe sie wieder die Schwere in den Knochen gespürt, das Chaos im Kopf. Seitdem steht für Gabriele Hecht fest: Bis die Akkus leer sind und gewechselt werden müssen - in der Regel nach vier Jahren -, wird das Gerät laufen.
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