Verbesserung der Stimmungslage bei Epilepsiepatienten mit implantiertem NCP-System.
Prof. Christian Elger, Universität Bonn, präsentierte Daten zur Auswirkung der VNS auf die Stimmungslage bei Epilepsiepatienten. Zunächst berichtete er Ergebnisse von Harden et al. (2000), die Stimmungsveränderungen bei 20 Patienten unter VNS mit denen von 20 konservativ behandelten Patienten verglichen hätten: Bei den VNS-Patienten zeigte sich eine Verbesserung der Befindlichkeit im Beck Depression lnventory (BDI), in der Cornell Dysthymia Rating Scale (CDRS) und der Hamilton Rating Scale for Depression (HRSD).
Die Werte in der Hamilton Anxiety Rating Scale (HARS) blieben dagegen unverändert. In der Klinik für Epileptologie der Universität Bonn wurden zwei Studien zu den Auswirkungen der VNS auf die Stimmungslage von Epilepsiepatienten durchgeführt. Die erste war eine randomisierte, aktiv kontrollierte doppelblinde Studie an 11 Patienten nut mindestens 4 Anfallen pro Monat (Elger et al., Epilepsy Research, in press). 6 Patienten erhielten eine „hochdosierte“ und 5 eine „niedrigdosierte“ Stimulation.
Ein erfahrener Psychiater, der die Bewertungen der Befindlichkeit vor sowie 3 und 6 Monate nach der Implantation des NCP-Systems durchführte, kannte nicht die jeweilige Stimulationsbedingung. Verbesserungen der Befindlichkeit zeigten sich 3 Monate nach der Implantation in der Montgomery-Äsberg Depression Rating Scale (MADRS) sowie einer Reihe anderer Befindlichkeitsskalen. Die positiven Veränderungen stabilisierten sich während der 6-monatigen VNS-Therapie.
Die Stimmungslage erschien am Ende der Studie bei 9 von 11 Patienten verbessert. Bei 6 dieser Patienten konnte keine wesentliche Verbesserung der Anfallsituation bewirkt werden, so dass der antidepressive Effekt unabhängig von der antikonvulsiven Wirkung der VNS erscheint.
Bei der zweiten in Bonn durchgeführten Untersuchung handelte es sich um eine offene Fragebogen - Studie an 28 Patienten ohne Vergleichsgruppe mit einer Selbstbewertungsskala vor und 6 Monate nach der Implantation eines Vagusnerv - Stimulators. Die Patienten hatten vor Beginn der Studie zu mindest 4 Anfälle pro Monat.
Man fand statistisch signifikante Verbesserungen der allgemeinen Befindlichkeit (Befindlichkeits-Skala, Zerssen) und der Ängstlichkeit (Selfrating Anxiety Scale, SAS, Zung). Eine Subskala der Bonner Psychosozialen Skalen für Epilepsie (BPSE) verwies auf eine signifikante Zunahme des Gefühls persönlicher Kontrolle.
In der Untergruppe der vor der Implantation subdepressiven Epilepsiepatienten (Beck Depression Inventory, BDI>11) zeigte sich eine statistisch signifikante Verbesserung der depressiven Stimmungslage (BDI). Beim BDI wiesen 25% der Patienten eine >50%-Reduktion auf, beim SAS 46% der Patienten. 32% zeigten eine Reduktion der Anfallshäufigkeit von >50%.
Es ergaben sich keine Hinweise auf eine Korrelation zwischen Anfallsreduktion und Veränderungen der Befindlichkeit. Auch die VNS-Stimulationsparameter waren nicht mit dem emotionalen Outcome korreliert.
Professor Elger diskutierte abschließend, inwieweit die SAS bei Epilepsiepatienten tatsächlich Angst oder Ängstlichkeit im engeren Sinne messe. Die Daten zeigten jedoch, dass VNS sich positiv auf Zustände gesteigerter Nervosität und Erregtheit auswirke ebenso wie auf negative Stimmungslagen.
Die Verbesserung der Stimmung beruhe bei vielen Patienten nicht auf einer Verbesserung der Anfallssituation, d.h. der positive psychotrope Effekt der VNS sei von der antiepileptischen Wirkung offensichtlich unabhängig.
