Durchbruch für die Stammzellforschung: Mithilfe eines neuen Verfahrens können vielseitige Zellen aus dem Gewebe von Erwachsenen gewonnen werden.
Ein deutscher Forscher hat ein Verfahren entwickelt, mit dem aus voll entwickeltem Gewebe von Mensch und Tier Zellen mit Eigenschaften von Stammzellen isoliert werden können. Die möglicherweise als vielseitige Implantate verwendbaren Zellen könnten in der regenerativen Medizin oder der Biotechnologie eingesetzt werden.
Aus Stammzellen eines erwachsenen Menschen
entstandener "organoider Gewebekörper" (blau),
Nerven- (grün) und Muskelzellen (rot)
Foto: Universität zu Lübeck
Kostbare Tausendsassas
Adulte Stammzellen gelten als «ethisch einwandfrei», da zu ihrer Gewinnung keine menschlichen Embryonen zerstört werden müssen. Die Zellen, von denen man sich großen therapeutischen Nutzen verspricht, können erwachsenen Patienten selbst entnommen werden. Jetzt hat ein Forscherteam um Charli Kruse von der Universität zu Lübeck einen neuen Weg gefunden, an die kostbaren zellulären «Tausendsassas» zu gelangen.
Wie die Uni Lübeck am heutigen Freitag mitteilte, können sich die Zellen zu Geweben aller drei Grundtypen entwickeln, sie sind pluripotent. Die Wissenschaftler haben sie aus Drüsengewebe von Ratten und von Menschen, unter anderem sogar eines 74-jährigen Patienten isolieren können. Kruse ist es gelungen, im Labor stabil wachsende und sich vermehrende humane Stammzelllinien zu gewinnen. Derartige Kulturen sind weltweit zu Forschungszwecken begehrt, heißt es in der Mitteilung.
Flexible Kulturen
Die Arbeitsgruppe konnte zudem Differenzierungs-Kulturen anlegen, die Gewebeverbände von einigen Millimetern Größe, so genannte «organoide Gewebekörper», ausbilden. Diese konnten wieder in stabile, sich selbst reproduzierende Vermehrungskulturen überführt werden. Dies war bislang nur mit humanen embryonalen Stammzellen möglich. Jetzt müssen die Ergebnisse von Kruses Versuchen an anderen Instituten reproduziert und bestätigt werden.
Quelle: Netzeitung
