Interview: Sind Depressionen ansteckend?
Wenn Sie das haben, dann haben Sie nicht mehr Lust irgendwas zu machen. Mein ganzer Tag war nur noch Arbeit schaffen und hinlegen, Hause kommen und hinlegen. Sonst gar nichts mehr. Ich hab keinen Rasen mehr gemäht oder sonst irgendwas. Es war nur noch ein Kampf ums materielle Dasein.
Interviewer:
Oft kommen sie aus heiterem Himmel. Die besonders tückischen, inneren Depressionen haben keinen Anlaß, halten wochen-, monatelang an, um ebenso plötzlich wieder zu verschwinden. Zwei Berliner Forscher glauben, eine Ursache für diese Art von Depression entdeckt zu haben. Das Borna-Virus, das bei Pferden eine Hirnkrankheit auslöst.
"Mindestens 50 % der Personen, die in eine depressive Episode kamen, und stationär aufgenommen werden, da haben wir das gefunden"
Ein Virus, das depressiv macht ? Mit dem man sich vielleicht sogar anstecken kann ? Viele wittern eine wissenschaftliche Sensation. Und als wäre das nicht genug, legen die Berliner Wissenschaftler noch nach:
Sie glauben ein Mittel gefunden zu haben, das das Virus vertreibt und die Schwermut besiegt.
Winkt das Glück aus der Apotheke ?
"Ich kann das eigentlich kaum für glaubhaft oder wahrscheinlich halten."
Sind die Erfolgsmeldungen aus Berlin verfrüht und wecken falsche Hoffnung ?
"This is something I consider to be highly irresponsible and something that we would not do here."
Ich halte das für höchst unverantwortlich, wir würden so etwas nicht tun.
Sieg über die Schwermut oder falsche Hoffnung ?
Welche Rolle spielen die Viren im Gehirn tatsächlich ?
Borna - sächsische Kleinstadt 30 Kilometer südlich von Leipzig. Ende des vergangenen Jahrhunderts war man hier stolz auf den Anschluß an die Bahnstrecke Leipzig - München - und auf die berittenen Truppen des dritten Sächsischen Reiterregiments. Über 1000 Soldaten mit mehr als 700 Pferden beherbergte die Stadt.
Vom früheren militärischen Glanz zeugen heute nur noch abbruchreife Ruinen. Die Erinnerung an die Reitertruppen aber lebt auch in dem Namen einer geheimnisvollen Pferdekrankheit fort, die 1895/96 im Leipziger Land in und um Borna grassierte. Sie bedrohte die Existenz vieler Höfe und war ein Dauerthema in den Zeitungen.
Die Gehirn-Rückenmarksentzündung der Pferde war zwar schon länger bekannt, in der Region Borna aber trat sie massiv wie noch nie auf. Über 700 Tiere erkrankten, drei Viertel davon starben - eine Epidemie, die der Krankheit ihren Namen gab.
Als mögliche Ursache tippten die Veterinäre auf eine Infektion; die Erreger könnten mit dem Wasser der Wyrrha ins Leipziger Land gespült werden, glaubten sie. Mit der Infektionskrankheit sollten die Tierärzte recht behalten - mit der Wyrhha allerdings, so zeigte sich bald, lagen sie daneben.
