Depression, Depressionen

Viren im Gehirn | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 |

So durchwachsen wie die Herkunft der Proben waren auch die Ergebnisse. bei etwa der Hälfte der Schizophrenen fanden sich Spuren des Borna-Virus, nicht aber bei Depressiven.

Die direkte Suche nach dem Virus war möglich geworden, da inzwischen dessen Erbgut entschlüsselt werden konnte. Ian Lipkin war daran entscheidend beteiligt, er war es auch, der die Gen-Spuren des Virus in den Gehirnen Verstorbener gefunden hatte.

Seine Ergebnisse interpretiert er allerdings sehr vorsichtig. Insgesamt hatte er nur 75 Proben untersucht - ohne Informationen über die Lebensumstände der Patienten. In den USA, so weiß er, gibt es unter Obdachlosen einen hohen Anteil von Schizophrenen; stammten die Hirnproben zum Beispiel aus dieser Gruppe, hätte schon das das Ergebnis verfälschen können.

Our conclusion was not that Borna Virus causes neuropsychiatric disease, it was rather that there is an association between neuropsychiatric disease and evidence of infection. that could simply mean that people who live on the street, who are homeless, as a result of having this tragic diseases, are more likely to be exposed to these infectious agents than people who have a different sort of a lifestyle

Wir haben nicht gefolgert, daß das Borna-Virus psychiatrische Krankheiten verursacht, sondern nur, daß es einen Zusammenhang gibt. Wer etwa aufgrund seiner tragischen Krankheit auf der Straße landet, ist aber solchen Viren einfach viel mehr ausgesetzt als Menschen mit gehobenen Lebensstil

Vielleicht sind ja auch psychisch Kranke grundsätzlich einfach anfälliger für das Virus? Zwischen bloßem Zusammenhang und tatsächlicher Ursache läßt sich nur schwer unterscheiden.

Ian Lipkins vorsichtige Interpretationen eignen sich weniger für Schlagzeilen als die Erfolgsmeldungen, die wenig später aus Berlin kamen.

Mit der Biologin Liv Bode und dem Tierarzt Hanns Ludwig trafen im Robert Koch Institut zwei Wissenschaftler zusammen, deren Spezialgebiete sich ideal für die Erforschung des Borna-Virus ergänzten.

Die rätselhafte Pferdekrankheit hatte Hanns Ludwig, als Schüler Rudolf Rotts, schon in seinen Jahren an der Uni Gießen beschäftigt. Er hatte den dort 1924 erstmals isolierten Borna-Stamm Fünf im Gepäck, als er 1978 an die Freie Universität Berlin wechselte.

Da er mit seinem Lehrstuhl zunächst Einquartierung im Gebäude des Robert Koch Instituts bekam, traf er auf Liv Bode, die sich bis dato vor allem mit dem AIDS-Virus beschäftigt hatte. Mit modernen molekularbiologischen Methoden gingen sie fortan gemeinsam auf die Jagd nach dem Borna-Virus beim Menschen. 1996 vermeldeten sie einen sensationellen Erfolg.

Wir haben vor zwei Jahren es geschafft, nach vielen Mühen, muß ich sagen, zusammen mit den Kollegen von der Virologie der Freien Universität, also Herrn Ludwig und seiner Gruppe, einige dieser Viren asu dem Blut infizierter depressiver Patienten in der akuten Phase der Depression sozusagen zu isolieren.

Viren im Blut? Bisher hatte man hier stets nur Antikörper auf das Virus gefunden, nicht das Virus selbst, das man ja im Gehirn vermutet. Viren im Blut - das würde auch bedeuten, daß sie bei einer Transfusion übertragen werden könnten.

In bestimmten weißen Blutkörperchen glauben Bode und Ludwig Spuren vom Erbmaterial des Virus gefunden zu haben - bei Patienten, die unter akuten depressiven Schüben litten. Das war noch keiner Forschergruppe gelungen.

Ja, es war wirklich ein Durchbruch, weil, dadurch war der erste direkte Virusnachweis wenn Sie so wollen, natürich noch nicht das Virus, aber doch ein Baustein des Virus, und vorher hatten wir nur die Antikörper, wir und alle anderen Gruppen, die auch daran gearbeitet hatten, die Serologie war das einzige was es gab beim Menschen, das war ein ganz gutes Indiz, aber es war halt nicht genug.

nächste Seitezurück

depression_lgo