Depression, Depressionen

Viren im Gehirn | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 |

Jerusalem, Cambridge, Portofino - auf den internationalen Kongressen machten die Berliner Meldungen schnell die Runde. Nur durch ständig neue Veröffentlichungen bleibt man bei der Scientific Community, der Gemeinde der Forscher, im Gespräch - dem Berliner Forscherpaar war das nun mit einem Paukenschlag gelungen.

Und natürlich stürzten sich auch Zeitungen und Zeitschriften auf die Erfolgsmeldungen. Endogene, von innen kommende Depressionen schienen nun endlich erklärbar; und wenn eine Mikrobe der Übeltäter ist läßt das viele Kranke hoffen.

Unter den etablierten Borna-Forschern stießen die Meldungen aus Berlin auf Skepsis und Unglauben.

Ich kann das eigentlich kaum für glaubhaft oder wahrscheinlich halten. Wir konnten diese Befunde nicht bestätigen.

In keinem dieser Fälle wurde wirklich eine Doppelblindstudie durchgeführt wie wir sie durchgeführt haben.

I can say that according to the data that's been present today I don't think that anyone can say that Borna causes anything

Aufgrund der vorliegenden Daten kann im Moment niemand sagen, daß das Borna-Virus überhaupt irgendetwas verursacht.

Grund der Skepsis ist die Methode, die Bode und Ludwig zum Virus-Nachweis anwandten. In unscheinbaren Geräten wie diesen läuft die sensibelste Nachweismethode ab, die die Wissenschaft heute zu bieten hat: Die Polymerase-Kettenreaktion. Sie ist so empfindlich, daß sie selbst einzelnen Molekülen einer Substanz auf die Spur kommen kann. Leider aber ist sie dadurch auch höchst empfindlich gegen Verunreinigungen.

Natürlich machten sich auch die Forscher hier im Borna-Zentrum Gießen, direkt gegenüber der geschlossenen Psychiatrie übrigens, sofort an die Überprüfung der Berliner Ergebnisse. Gegen mögliche Verunreinigungen sicherten sich Jürgen Richt und seine Mitarbeiter ab. Die Blutproben, die Karl Bechter aus Günzburg geliefert hatte, wurden aufgeteilt. Eine Hälfte wurde in Gießen untersucht, die andere in einem Marburger Labor, in dem noch nie mit dem Borna-Virus gearbeitet wurde.

Während in Gießen die ein oder andere Probe tatsächlich Borna-Viren zu enthalten schien, ließ sich das in Marburg nie bestätigen.

Wir haben also dann aus diesen Untersuchungen geschlossen, daß es sehr schwierig ist, in einem Umfeld, in dem die BDV arbeitet tagtäglich, eine solche hochsensitive Methode anzuwenden, daß es da oft zu falschpositiven Ergebnissen kommt, und daß es deshalb besser ist, so eine Methode in einem Labor durchzuführen, dass keinen vorherigen Kontakt mit diesem Virus hatte und am optimalsten natürlich eine solche diagnostische Methode in einer Doppelblindstudie durchzuführen ist.

Schon von Amts wegen ging auch die Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere in Tübingen der Sache nach. Im Umgang mit den übelsten Tierseuchen ist man hier erfahren, und auch das Borna-Virus ist hier ein alter Bekannter - vor allem, seit Lothar Stitz, ebenfalls ein Schüler von Rudolf Rott, aus Gießen an die Forschungsanstalt kam.

Wir haben das gemacht in einem Ringvesuch mit anderen Kollegen, im wesentlichen in Homburg/Saar ud Freiburg und konnten diese Befunde nicht bestätigen; es ist uns also nicht gelungen bei einem Patientenkollektiv psychiatrischer Patienten das Virus oder Spuren des Virus nachzuweisen.nächste Seitezurück

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