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  • Alzheimer: Antikörper bauen Plaques ab ‐ Pilotstudie in Bonn

Quelle: Deutsches Ärzteblatt

BONN. Können Antikörper die Eiweißablagerungen im Gehirn, die Ursache des Morbus Alzheimer sind, abbauen und so das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten? An der Universität Bonn wurden im Rahmen einer Pilotstudie fünf Patienten über sechs Monate mit Immunglobulinen behandelt. Die Ergebnisse, die in den nächsten Ausgabe des Journal of Neurology, Neurosurgery and Psychiatry (2004; 75: 1472-1474) publiziert werden sollen, waren vielversprechend. Der nächste Schritt könnte eine Doppelblindstudie sein.

Beim Morbus Alzheimer kommt es zur Ablagerung von Beta-Amyloid-Peptid in der Großrinde. Die Ursache hierfür ist nicht bekannt, doch scheint der Körper nicht völlig wehrlos zu sein. Denn, wie die Arbeitsgruppe um Privatdozent Dr. Richard Dodel von der Universität Bonn kürzlich zeigen konnte, das Blut der meisten Menschen enthält Antikörper gegen Beta-Amyloid. Diese Antikörper binden das Eiweiß und verhindern, dass es im Gehirn zu größeren Plaques aggregiert. Merkwürdigerweise ist die Konzentration dieser Antikörper bei Alzheimer-Patienten deutlich geringer.

Dies brachte die Bonner Forscher auf die Idee, die Antikörper zur Behandlung des Morbus Alzheimer einzusetzen. Sie verwendeten dazu herkömmliche Immunglobulinpräparate, die eine Vielzahl von Antikörpern enthalten und darunter befinden sich, wie die Bonner Forscher ebenfalls zeigen konnten, auch Antikörper gegen Beta-Amyloid.

In einer Pilotstudie wurden fünf Alzheimer-Patienten über sechs Monate alle vier Wochen intravenös mit Immunglobulinen behandelt. Vor Beginn und nach Abschluss der Behandlung bestimmten die Forscher den Beta-Amyloid-Gehalt im Blut und im Liquor. Ergebnis: Die Beta-Amyloid-Konzentration im Liquor nahm im Studienverlauf um gut 30 Prozent ab, während die Konzentration im Blut auf den 2,3fachen Wert anstieg. Eventuell ist dies ein Hinweis darauf, dass die Behandlung die pathogenen Eiweiße aus dem Gehirn ausschwemmt. Die klinische Untersuchung der Patienten zeigte, dass sich die kognitive Leistung einiger Patienten verbesserte oder wenigstens nicht verschlechterte.

Nach sechs Monaten schnitten im so genannten ADAS-cog-Test (Alzheimer's Disease Assessment Scale, cognitive subscale) vier der fünf Patienten ein wenig besser ab als vorher, heißt es in der Pressemeldung. Im MMSE‐(Mini-Mental State Examination) Test hätten sich drei Probanden verbessert. Noch bemerkenswerter sei, dass sich keine der Testpersonen verschlechterte.

Dodel: „Unbehandelt schneiden Alzheimerkranke nach einem Jahr im ADAS-cog-Test durchschnittlich sieben bis elf Punkte schlechter ab, unter medikamentöser Behandlung immerhin noch um vier bis sechs Punkte. In unserer Studie verbesserten sie sich im Durchschnitt um 3,7 Punkte.“ Die Studie hatte allerdings keine Vergleichsgruppe, was die Aussagekraft der Befunde ein wenig relativiert.

Die Pressemitteilung geht auch nicht auf den Sicherheitsaspekt der Behandlung ein. Antikörper können durchaus schädigende Wirkungen haben. Dies wurde im letzten Jahr beim Abbruch einer größeren Studie beim Morbus Alzheimer klar. Dort waren Alzheimer-Patienten mit Fragmenten des Amyloid-Proteins “geimpft” worden, um die Bildung körpereigener Antikörper zu stimulieren. Die Studie endete in einem Desaster, weil 18 von 298 Patienten (sechs Prozent) an einer Meningoenzephalitis erkrankten (Neurology 2003; 61: 46-54).

Ob die Behandlung mit Immunglobulinen frei von diesen Komplikationen ist, kann nur in größeren klinischen Studien geklärt werden, deren Durchführung auch von Philip Scheltens von der Freien Universität in Amsterdam im begleitenden Editorial gefordert wird. Auch die Bonner Forscher meinen, dass die Stichprobe viel zu klein sei, um sichere Rückschlüsse auf die Effektivität der Immunglobulin-Behandlung ziehen zu können, zumal man die Substanz nicht gegen ein Placebo getestet habe. Um die Ergebnisse abzusichern, müsse jetzt unbedingt eine Doppelblindstudie mit größeren Patientenzahlen durchgeführt werden, heißt es in der Pressemitteilung.Sprung nach oben

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