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- Psychisch krank durch Erreger.04.05.2007 00.00 Uhr
- (ddp) Ulm / Magdeburg - Germany.
- Die 31-jährige Frau war für die Ärzte ein hoffnungsloser Fall: Müdigkeit, Depressionen und Selbstmordgedanken peinigten sie in rascher Folge. Kein Medikament half dagegen. Nicht einmal in der psychiatrischen Klinik besserte sich ihr Zustand nennenswert. Ein Arzt diagnostizierte schließlich eine «therapieresistente Depression».
Doch zum Glück hat er sich getäuscht. Dank Antibiotika ist die Frau inzwischen gesund und arbeitet seit vier Jahren wieder. Die heilenden Pillen hat ihr der Arzt Karl Bechter verordnet. Der Spezialist für psychische Erkrankungen vom Bezirkskrankenhaus der Universität Ulm schöpfte Verdacht, nachdem er im Blut Antikörper gegen Streptokokken und Anzeichen einer chronischen Infektion bemerkte.
Er vermutet, dass die Patientin zwei Jahre lang an einer wellenartig wiederkehrenden Erkrankung durch die Bakterien litt. Das habe die Depression hervorgerufen. «Psychische Erkrankungen sind in einigen Fällen eine Folge von Abwehrkämpfen des Immunsystems», ist Bechter überzeugt. Eine ungewöhnliche These, die er anhand der Krankheitsgeschichte der 31-jährigen Patientin bestätigen konnte.
Depressiv und schizophren durch Bakterien und Viren? Früher suchte man die Ursache psychischer Leiden in erster Linie im sozialen Umfeld, in der Kindheit und der Erziehung. «Generationen von Eltern haben sich Vorwürfe gemacht. Aber die Familie spielt als Auslöser überhaupt keine Rolle», räumt Bernhard Bogerts, Psychiater an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg, mit diesem Klischee auf. Die Mitmenschen beeinflussen zwar den Verlauf der Erkrankung, aber die Wurzel des Übels sind sie nicht. Die Ursachen sieht der Mediziner andernorts: Die Gene, vorgeburtliche Hirnstörungen und ein aus dem Tritt geratenes Immunsystem «spielen dabei eine wichtige Rolle», so Bogerts. Gerade schleichende und chronische Entzündungen lenken das Immunsystem auf die schiefe Bahn.
«Wir haben für mindestens 13 Erreger Hinweise, dass sie mit psychischen Erkrankungen in Verbindung stehen», führt Bechter aus. Neben Streptokokken gehören Borrelien dazu, die von Zecken auf den Menschen übertragen werden. Jahre nach dem Biss habe sich die Infektion bei einigen Patienten mit einer Depression gemeldet, berichtet Bechter.
Auf der Liste der Verdächtigen stehen auch Herpes- sowie HI-Viren und Chlamydien, die beim Sex übertragen werden. «Es sind sogar Erreger dabei, die als nicht besonders gefährlich gelten, die sich aber im Nervensystem einnisten.» Aus ihrem Versteck heraus können sie ein tückisches Spiel treiben.
Wie die Erreger den Menschen in die psychische Krankheit treiben, ist allerdings bislang nicht geklärt. Bei Aids-Patienten, die an einer Depression litten, fand man nach ihrem Tod, dass der Eiweißstoff Kynureninsäure in ihrem Gehirn abnormal verändert war. Dadurch wird der Informationsaustausch zwischen den Neuronen gestört. «Bei HIV-Patienten sind bestimmte Zellen des Gehirns voll mit Viren», betont Bechter.
Auch andere Erreger hinterlassen Spuren im Gehirn: Das Borna-Virus schädigt Nervenzellen und Zellgewebe im Gehirn, wie bei Depressiven und Schizophrenen nachgewiesen wurde. Auch die Nervenzellfortsätze werden von diesem Virus in die Mangel genommen. Bechter konnte einigen Patienten helfen, indem er einen Teil der Bakterien und Viren aus ihrem Nervenwasser filterte.
Doch die Psychoneuroimmunologen kommen nur langsam voran bei der Suche nach weiteren Indizien. Sie müssen auf verstorbene psychisch Kranke hoffen, deren Angehörige einwilligen, das Gehirn auf mögliche Virusrelikte oder Zeichen einer Entzündung zu durchsuchen. Im neuropathologischen Labor von Bogerts werden derzeit Schädel von manisch Depressiven, Schizophrenen und Selbstmordopfern analysiert.
«Der Nachweis ist sehr schwierig», klagt Bogerts. Denn längst nicht jede Infektion lastet für immer auf der Seele. Nur ein sehr kleiner Teil der Menschen schleppt die Erkrankung dauerhaft mit sich herum und bekommt schließlich ein psychisches Leiden. «Erreger spielen bei einem bedeutenden Prozentsatz der Patienten eine Rolle. Aber das Bakterium »Schizokokkus«, das von heute auf morgen wahnsinnig macht, gibt es nicht», unterstreicht Bogerts. Depressionen und Schizophrenien sind uneinheitliche Erkrankungen. Der Einfluss verschiedener Erreger könnte eine Erklärung dafür liefern.
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- Allein gute Ratschläge helfen der Seele nicht.19.10.2006 08.45 Uhr
- Wiesbadener Tagblatt - Germany.
- Psychische Krankheiten nehmen zu / Probleme in allen Lebensbereichen / "Arbeit kann auch krank machen"
Reinhard Goldbach betreut viele psychisch behinderte Klienten.
Wenn alles zu viel ist.
Wie körperlich oder psychisch behinderte Menschen ihren beruflichen Alltag erfahren und welche Unterstützung sie bekommen können, davon handelt diese Serie.
Beim Stichwort "Schwerbehinderte" denkt man zunächst an Körperbehinderte - Rollstuhlfahrer, Blinde, jedenfalls Menschen, deren Handicap auf den ersten Blick auffällt. Eine viel größere Zahl Schwerbehinderter jedoch leidet an seelischen Krankheiten. Diese bemerkt man nicht sofort, doch sie können im Alltags- und vor allem im Arbeitsleben ähnlich belastend sein. "Vom Personenkreis, den wir beim Integrationsfachdienst beraten, sind sicher weit über die Hälfte von solchen Störungen betroffen", sagt Reinhard Goldbach, der selbst viele psychisch behinderte Klienten betreut.
Es ist nicht leicht für sie, aber auch nicht für ihre Kollegen und Vorgesetzten, mit den verschiedenen Störungen umzugehen. Vor allem, weil der Verlauf einer psychischen Erkrankung, wie Goldbach betont, nicht vorhersehbar ist, denn nach Phasen einer Stabilisierung - auch ohne vollständige Genesung - können Schwankungen mit Verbesserungen, aber auch mit Verschlechterungen auftreten "Selbst bei gleicher Diagnose ist der Verlauf der psychischen Krankheit anders, denn jeder Mensch reagiert aufgrund seiner Lebensgeschichte und seines individuellen Umgangs mit der Krankheit auf ganz verschiedene Weise", erklärt er.
Das versuchen er und seine Kollegen in Vorträgen und Info-Veranstaltungen für Schwerbehinderten-Vertrauensleute in Betrieben weiterzugeben. Denn nicht jeder weiß auf Anhieb, was er für seinen kranken Kollegen tun könnte; viele fühlen sich gerade durch die vielfältigen Krankheitsbilder der Psyche verunsichert oder versuchen mit gut gemeinten Ratschlägen darüber hinwegzugehen. Man solle sich zusammennehmen, nicht so anstellen, das ginge schon wieder, einfach mal Pause machen, - das alles bekommen Mitarbeiter zu hören, die an solchen Störungen leiden.
"Doch die meisten machen sich nicht klar, dass das ebenso ernstzunehmende Erkrankungen sind wie die körperlichen - und dass der oder die Erkrankte das eben nicht durch einfaches `Zusammenreißen´ beeinflussen kann", sagt Reinhard Goldbach.
Klar abgrenzen möchte der Experte auch die psychischen Krankheiten von so genannten "Geisteskrankheiten". Letztere stellten sich in intellektuellen Minderbegabungen dar, die zu unterdurchschnittlichem Lern- und Urteilsvermögen oder unterentwickelter Selbstkontrolle führten. "Mit den intellektuellen Fähigkeiten hat eine seelische Störung aber nichts zu tun", stellt der IFD-Mitarbeiter klar.
Seelische Störungen klassifiziere man als Neurosen oder Psychosen. Dazu gehört das weite Feld der Depressionen und Angststörungen, aber auch Zwangserkrankungen, Wahnvorstellungen oder Hypochondrie sind vertreten. Als brauchbare Definition einer psychischen Krankheit nennt Goldbach folgenden Satz: "Ein psychisch kranker Mensch wird definiert als ein Mensch, der bei der Lösung einer altersgemäßen Lebensaufgabe in eine Krise und Sackgasse geraten ist, weil seine Verletzbarkeit und damit Behinderte
in der Berufswelt
sein Schutzbedürfnis, sowie sein Bedürfnis die Welt zu erklären, für ihn zu groß und zu schmerzhaft geworden ist." Das drücke gut aus, worum es bei den seelischen Krankheiten ginge: Der Mensch kommt mit der Umwelt nicht mehr zurecht, seine Wahrnehmung ist gestört. "Ich verdumme immer mehr. Ich kann mich nicht entscheiden. Ich bin schuld, ich tauge nichts. Alles ist sinnlos, warum bringe ich mich nicht um?" Das seien zum Beispiel typische Gedanken depressiver Menschen.
Die Arbeitsleistung wird natürlich durch solches Erleben stark beeinträchtigt. Und hier stellt sich die besondere Schwierigkeit dar, solchermaßen behinderte Arbeitnehmer zu beraten und zu betreuen: Denn auf das "Funktionieren" wird in der heutigen Arbeitswelt besonderer Wert gelegt. Da ist kaum Raum für Schwankungen in der Leistung, für besondere Erfordernisse, die sich für psychisch Kranke manchmal stellen.
"Oft führt eine Depression beispielsweise zu Konzentrationsstörungen", berichtet Goldbach und nennt ein Beispiel einer Behörden-Angestellten, die durch ihre besondere "Reizoffenheit" nur schlecht in der Lage sei, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und sich dadurch auf ihre Aufgaben kaum konzentrieren könne. Solange sie von verständnisvollen Kollegen umgeben war, konnte sie noch gut arbeiten; aber als die Konstellation sich änderte, führte es bei der Frau zu großen Problemen. "Ihr konnte geholfen werden, indem wir in Zusammenarbeit mit dem Vorgesetzten erreichten, dass sie ein Einzelbüro bekam und ihre Arbeitszeit reduzieren konnte; auch Sonderaufgaben kommen für sie nicht mehr in Frage", schildert Goldbach diesen aktuellen Fall aus seiner Beratungspraxis.
Dabei müsse man stets die Rolle des Berufslebens für erkrankte Menschen von zwei Seiten sehen. So könne Arbeit einerseits strukturierend wirken, den Alltag gliedern, für Erfolgserlebnisse sorgen und soziale Kontakte ermöglichen - aber auch das genaue Gegenteil. "Arbeit kann auch krank machen, wenn die Bedingungen nicht stimmen, wenn das Umfeld zu viel Stress verursacht, der Druck zu groß ist", weiß Reinhard Goldbach.
Der Erhalt des Arbeitsplatzes, notfalls durch Veränderung der Bedingungen im Rahmen der Möglichkeiten, steht immer im Vordergrund der Beratungen beim Integrations-Fachdienst. Doch in manchen Fällen ist das tatsächlich nicht mehr möglich. Goldbach kann von Beispielen berichten, bei denen die Arbeitnehmer so überfordert waren, dass sie wirklich nicht mehr in der Lage waren, ihren Job zu machen. "Da habe ich dann auch schon jemanden beim Übergang in eine Werkstatt für Behinderte begleitet", berichtet er. Das sei natürlich nicht die Regel - in vielen Fällen gelänge es, durch Sensibilisierung der Kollegen und Vorgesetzten ein Umfeld zu schaffen, in dem das Arbeiten für den erkrankten Menschen besser möglich ist.
"Wir arbeiten auch mit den Ärzten und Angehörigen zusammen", sagt Goldbach, denn man könne natürlich den Bereich "Arbeitsleben" nie isoliert betrachten. Die Folgen seelischer Beeinträchtigung werden vor allem im sozialen Bereich sichtbar, und Probleme beschränken sich nicht nur auf den Arbeitsplatz, sondern machen sich in allen Lebensbereichen bemerkbar und beeinflussen sich dabei gegenseitig.
Wichtig sei es zu wissen, dass psychische Erkrankungen tendenziell zunähmen, so Reinhard Goldbach. Darüber richtig informiert zu sein, um das Abstempeln der Betroffenen zu vermeiden, werde daher immer wichtiger.
Von Anja Baumgart-Pietsch.
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- Depressions-Therapie13.10.2006 09.00 Uhr
- wienweb.at - Austria.
- Voraussage von Erfolg ist bald möglich.
Durch Hirnscans könnte man in Zukunft jedem Depressions-Patienten voraussagen welche Medikamente er benötigt. Das berichtet DIE WELT heute. Bisher konnte man nur durch Ausprobieren herausfinden, welche Therapie geeignet ist.
Mediziner der Universität Bonn führten nun eine Studie durch, in der 65 depressiven Patienten ein Medikament verabreicht wurde, das den Serotonin-Spiegel im Gehirn erhöht. Bei jenen Patienten, bei denen die Therapie keine Wirkung zeigte, konnte man das schon im Voraus erkennen.
Bei ihnen war die betroffene Gehirnregion zuvor wesentlich stärker durchblutet, als bei den Erfolgspatienten. So sei es möglich, schon vor der Therapie zu wissen, welche Methode im konkreten Fall helfen wird, wie der Nuklearmediziner Hans-Jürgen Biersack erklärte.